Kurze Antwort
Der Unterschied zwischen Obst und Gemüse hängt davon ab, welche Definition man benutzt. Botanisch ist eine Frucht der Pflanzenteil, der aus einer Blüte beziehungsweise ihrem Fruchtknoten entsteht und Samen enthält oder ursprünglich zur Samenverbreitung dient. Deshalb sind Tomaten, Gurken, Paprika, Kürbisse und Auberginen botanische Früchte. In der Küche gelten sie trotzdem als Gemüse, weil sie meist herzhaft zubereitet werden. „Gemüse“ ist nämlich keine präzise botanische Kategorie, sondern ein kulinarischer und landwirtschaftlicher Sammelbegriff für essbare Pflanzenteile wie Blätter, Stängel, Wurzeln, Knollen, Blüten und auch manche Früchte.
Warum gibt es keine einzige richtige Antwort?
Obst und Gemüse sind Alltagsbegriffe. Sie ordnen Lebensmittel danach, wie wir sie anbauen, verkaufen, zubereiten und essen. Die Botanik verfolgt ein anderes Ziel: Sie beschreibt Aufbau, Entwicklung und Verwandtschaft von Pflanzen. Deshalb können beide Systeme dasselbe Lebensmittel unterschiedlich einordnen, ohne dass eines davon „falsch“ ist.
Eine Tomate ist botanisch eine Frucht, kulinarisch aber Gemüse. Diese beiden Aussagen beantworten unterschiedliche Fragen. Die erste fragt: Aus welchem Organ der Pflanze ist die Tomate entstanden? Die zweite fragt: Wie verwenden wir sie in der Küche? Verwirrung entsteht erst, wenn beide Ebenen vermischt werden.
Auch Ernährungswissenschaft und Lebensmittelhandel bilden eigene Gruppen. Kartoffeln und Hülsenfrüchte werden in Ernährungsempfehlungen häufig separat von Obst und Gemüse betrachtet, obwohl sie natürlich pflanzliche Lebensmittel sind. Steuerrecht, Zoll und Handelsnormen können wiederum praktische Kategorien verwenden.
Was ist eine Frucht in der Botanik?
Bei Blütenpflanzen entwickelt sich eine Frucht nach der Bestäubung und Befruchtung typischerweise aus dem Fruchtknoten einer Blüte. Sie umschließt oder trägt Samen und hilft der Pflanze, diese zu schützen und zu verbreiten. Im Alltag verwenden wir „Frucht“ oft gleichbedeutend mit süßem Obst; botanisch ist der Begriff viel weiter.
Eine Frucht muss nicht süß, saftig oder roh essbar sein. Auch trockene Hülsen, Kapseln, Nüsse und Getreidekörner sind botanische Fruchttypen. Der Geschmack spielt für die botanische Definition keine Rolle. Ebenso wenig entscheidet die Farbe.
Die verbreitete Faustregel „Enthält Samen, also ist es eine Frucht“ hilft häufig, ist aber nicht vollständig. Samen können bei kultivierten Sorten kaum entwickelt oder weggezüchtet sein. Kernlose Weintrauben und Bananen bleiben Früchte. Außerdem können essbare Strukturen komplexer sein und neben dem Fruchtknoten weitere Blütenteile umfassen.
Welche botanischen Fruchttypen gibt es?
Botanikerinnen und Botaniker unterscheiden Früchte nach ihrem Aufbau und danach, wie sie sich bei Reife verhalten. Bei einer Beere bleibt die Fruchtwand fleischig; dazu gehören botanisch etwa Tomate, Weintraube und Banane. Eine Steinfrucht besitzt innen einen harten Steinkern, wie Kirsche, Pfirsich oder Olive. Bei einer Hülse öffnet sich die trockene Frucht typischerweise an zwei Nähten; Bohnen und Erbsen sind Beispiele.
Eine echte Nuss hat eine trockene, harte Fruchtwand und öffnet sich bei Reife nicht. Haselnuss und Esskastanie passen zu diesem Typ. Sammelfrüchte entstehen aus mehreren Fruchtblättern einer einzelnen Blüte. Himbeeren sind Sammelsteinfrüchte, Erdbeeren Sammelnussfrüchte. Fruchtverbände wie die Ananas entstehen dagegen aus den Früchten eines ganzen Blütenstands, die miteinander verwachsen.
Diese Vielfalt erklärt, warum Alltagsnamen botanisch täuschen. „Beere“, „Nuss“ und „Frucht“ bedeuten in der Wissenschaft etwas anderes als auf einer Müslipackung. Die botanische Einteilung beschreibt Bau und Entwicklung – nicht Geschmack, Verwendung oder Nährwert.
Was bedeutet Obst?
„Obst“ ist kein exakt abgegrenzter botanischer Rang. Im deutschen Sprachgebrauch meint es meist essbare, häufig süße oder säuerliche Früchte und Samen mehrjähriger Kulturpflanzen, die roh oder verarbeitet gegessen werden. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Beeren und Nüsse werden typischerweise dazugezählt.
Die oft genannte Regel „Obst wächst mehrjährig, Gemüse einjährig“ beschreibt viele Kulturpflanzen, scheitert aber an Ausnahmen. Spargel und Rhabarber sind mehrjährig und gelten kulinarisch als Gemüse. Melonen stammen meist von einjährigen Pflanzen und werden trotzdem als Obst gegessen. Die Lebensdauer allein liefert daher keine universelle Grenze.
Auch Süße ist nur ein Hinweis. Avocados und Oliven sind botanische Früchte und werden häufig zum Obst gerechnet oder separat betrachtet, schmecken aber nicht wie typisches Dessertobst. Umgekehrt wird der süß zubereitete Rhabarber kulinarisch meist als Gemüse bezeichnet.
Was bedeutet Gemüse?
Gemüse ist ein Sammelbegriff für essbare Teile von Pflanzen, die überwiegend herzhaft verwendet werden. Dazu können Blätter, Stängel, Blattstiele, Wurzeln, Knollen, Zwiebeln, Blütenstände, unreife Samen und botanische Früchte gehören. Es gibt kein einzelnes Pflanzenorgan namens „Gemüse“.
Die Einteilung folgt deshalb häufig dem gegessenen Pflanzenteil. Möhren sind Wurzelgemüse, Kartoffeln Knollengemüse, Zwiebeln Zwiebelgemüse, Spinat Blattgemüse, Spargel Stängel- oder Sprossgemüse und Blumenkohl Blütengemüse. Tomaten und Paprika heißen Fruchtgemüse, weil wir botanische Früchte wie Gemüse verwenden.
Diese Kategorien sind praktisch für Gartenbau, Handel und Küche. Sie müssen aber nicht mit botanischen Verwandtschaften übereinstimmen. Zwei Wurzelgemüse können aus völlig verschiedenen Pflanzenfamilien stammen.
Tomate: Obst oder Gemüse?
Botanisch ist die Tomate eine Frucht und genauer eine Beere. Sie entsteht aus dem Fruchtknoten der Blüte und enthält Samen. Die Royal Botanic Gardens Kew ordnen sie ausdrücklich als botanische Beere und Frucht ein.
Kulinarisch gilt die Tomate als Gemüse. Sie wird in Salaten, Soßen, Suppen und herzhaften Gerichten verwendet. Ihr vergleichsweise geringer Zuckergehalt und ihr Umami-Geschmack passen eher zur Gemüseküche als zum klassischen Obstteller.
Die populäre Formulierung „Tomaten sind gar kein Gemüse“ ist daher zu pauschal. Richtig ist: Tomaten sind botanische Früchte und kulinarisches Fruchtgemüse. Der Kontext entscheidet.
Gurke, Paprika und Kürbis
Gurken, Paprika und Kürbisse entstehen ebenfalls aus Blüten und enthalten Samen. Botanisch sind sie Früchte. In der Küche werden sie gewöhnlich als Gemüse behandelt, weshalb sie zum Fruchtgemüse gehören.
Bei Kürbisgewächsen gibt es botanisch sogar einen besonderen Fruchttyp, die Panzerbeere oder Pepo. Dazu gehören unter anderem Kürbis, Gurke und Melone. Die feste Außenschicht und der fleischige Innenbereich sind charakteristisch.
Dass Melonen meist als Obst und Gurken als Gemüse gelten, zeigt besonders deutlich, wie kulinarische Gewohnheiten wirken. Beide sind miteinander verwandt und botanisch Früchte; Süße und Verwendung trennen sie auf dem Speiseplan.
Aubergine, Zucchini und Chili
Auberginen, Zucchini und Chilischoten sind ebenfalls botanische Früchte. Aubergine und Chili gehören wie die Tomate zu den Nachtschattengewächsen, Zucchini zu den Kürbisgewächsen. Sie entstehen aus Blüten und tragen Samen.
Kulinarisch gelten alle drei als Gemüse oder Gewürzgemüse. Der scharfe Geschmack einer Chili ändert nichts an ihrem Pflanzenorgan. „Frucht“ bedeutet in der Botanik eben nicht „süß“.
Warum ist Rhabarber Gemüse?
Beim Rhabarber essen wir nicht die Frucht, sondern die fleischigen Blattstiele. Botanisch handelt es sich daher nicht um eine Frucht. Kulinarisch wird Rhabarber wegen seiner Säure und typischen Verarbeitung oft wie Obst verwendet: in Kompott, Kuchen, Marmelade oder Saft.
Trotz dieser süßen Gerichte gilt er üblicherweise als Stielgemüse. Die Blätter werden nicht gegessen; sie enthalten hohe Mengen Oxalsäure und weitere Stoffe und sind nicht für den Verzehr gedacht. Die essbaren Stiele sollten ebenfalls nicht mit einer botanischen Frucht verwechselt werden.
Sind Erdbeeren wirklich Beeren?
Im Alltag ja, botanisch nicht im engeren Sinn. Die Erdbeere ist eine Sammelnussfrucht. Der rote, saftige Teil entsteht überwiegend aus dem Blütenboden. Die kleinen gelblichen „Körnchen“ auf der Oberfläche sind einzelne Nüsschen und damit die eigentlichen Früchte.
Das macht die Bezeichnung Erdbeere in der Küche nicht falsch. „Beerenobst“ ist eine praktische Gruppe und folgt nicht streng dem botanischen Fruchttyp.
Warum sind Himbeeren und Brombeeren keine echten Beeren?
Himbeeren und Brombeeren bestehen aus vielen kleinen Teilfrüchten, die aus mehreren Fruchtblättern einer Blüte hervorgehen. Botanisch heißen sie Sammelsteinfrüchte. Jede kleine Kugel enthält einen steinartigen Kern.
Eine botanische Beere entsteht dagegen aus einem Fruchtknoten und besitzt typischerweise ein durchgehend fleischiges Fruchtgewebe mit eingebetteten Samen. Deshalb passen Tomate, Weintraube und Banane botanisch besser zur Beere als Erdbeere oder Himbeere.
Ist eine Banane eine Beere?
Botanisch wird die Banane als Beere eingeordnet. Kulturbananen bilden meist keine harten, reifen Samen aus, weil sie weitgehend samenlos gezüchtet und vegetativ vermehrt werden. Das ändert ihren Fruchttyp nicht.
Dieses Beispiel zeigt die Grenze der Samen-Faustregel. Die Entwicklung aus der Blüte ist entscheidender als die Frage, ob im Supermarktprodukt sichtbare Samen vorhanden sind.
Was ist mit Äpfeln und Birnen?
Äpfel und Birnen sind Kernobst und botanisch komplexe Scheinfrüchte. Ein großer Teil des saftigen Gewebes entsteht nicht nur aus dem Fruchtknoten, sondern auch aus umgebenden Blütenteilen. Das Kerngehäuse enthält die eigentlichen Samenräume.
Sie bleiben selbstverständlich Obst. Der Begriff Scheinfrucht bedeutet nicht „unecht“ oder minderwertig, sondern beschreibt lediglich, welche Pflanzenteile an der Bildung beteiligt sind.
Sind Nüsse Obst?
Botanisch ist eine echte Nuss eine trockene Schließfrucht mit harter Fruchtwand, die sich bei Reife nicht öffnet. Haselnüsse und Esskastanien sind typische Beispiele. Walnuss und Mandel werden botanisch anders eingeordnet; gegessen wird bei ihnen im Wesentlichen der Samen einer Steinfrucht.
Im Handel und in Ernährungsempfehlungen werden Nüsse oft als eigene Lebensmittelgruppe betrachtet, weil ihre Nährstoffzusammensetzung deutlich von saftigem Obst abweicht. Sie liefern viel Fett, Eiweiß, Ballaststoffe und Energie. Die DGE führt Nüsse und Samen gemeinsam mit einer eigenen Empfehlung, getrennt von Obst und Gemüse.
Erdnüsse sind trotz ihres Namens keine echten Nüsse, sondern Hülsenfrüchte. Sie sind mit Bohnen und Erbsen näher verwandt als mit Haselnüssen.
Sind Bohnen und Erbsen Gemüse?
Botanisch bilden Bohnen und Erbsen Hülsenfrüchte. Die Hülse selbst ist ein Fruchttyp, und die Bohnen beziehungsweise Erbsen darin sind Samen. Junge grüne Bohnen und Erbsen werden kulinarisch häufig als Gemüse verwendet.
Getrocknete Bohnen, Linsen und Kichererbsen werden ernährungswissenschaftlich meist als eigene Gruppe betrachtet. Sie enthalten mehr Eiweiß und Stärke als viele klassische Gemüsearten. Die DGE hebt Hülsenfrüchte deshalb im Ernährungskreis separat hervor.
Auch hier hängt die Antwort vom Zweck ab: Eine grüne Erbse kann auf dem Teller Gemüse sein, botanisch ein Samen und ernährungswissenschaftlich Teil der Hülsenfruchtgruppe.
Warum ändert der Reifegrad manchmal die Küchenrolle?
Einige Pflanzen werden in unterschiedlichen Reifestadien gegessen. Junge grüne Bohnen werden mitsamt ihrer Hülse als Gemüse zubereitet; ausgereifte, getrocknete Bohnen nutzt man als eiweißreiche Hülsenfrucht. Unreife Kochbananen dienen stärkehaltig als herzhafte Beilage, reife Dessertbananen als süßes Obst. Grüne Paprika und rote Paprika sind meist keine verschiedenen botanischen Organe, sondern unterschiedliche Reifestadien.
Die Küchenklassifikation kann sich deshalb mit Geschmack, Textur und Zusammensetzung verändern, obwohl die botanische Identität gleich bleibt. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, dass Lebensmittelkategorien auf ihrem Gebrauch beruhen.
Ist die Kartoffel Gemüse?
Die Kartoffelknolle ist ein unterirdisch verdickter Spross und keine Wurzel oder Frucht. Die Kartoffelpflanze bildet oberirdisch tatsächlich kleine grüne Früchte, die nicht gegessen werden. Die essbaren Knollen dienen der Speicherung und vegetativen Vermehrung.
Im Küchenalltag wird die Kartoffel häufig Gemüse genannt. Ernährungssysteme ordnen sie wegen ihres hohen Stärkegehalts jedoch oft zusammen mit Getreide und anderen stärkehaltigen Beilagen ein. Im aktuellen DGE-Ernährungskreis steht sie in der Gruppe „Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln“, nicht bei Obst und Gemüse.
Grüne Stellen und stark gekeimte Kartoffeln können erhöhte Mengen Glykoalkaloide enthalten. Das ist eine Frage der Lebensmittelsicherheit, unabhängig von der Kategorie.
Sind Pilze Gemüse?
Pilze sind biologisch keine Pflanzen und bilden ein eigenes Reich. Champignons, Steinpilze und Austernseitlinge sind daher weder botanische Früchte von Pflanzen noch Gemüse im strengen botanischen Sinn. Der sichtbare Pilz ist meist der Fruchtkörper eines größeren Pilzorganismus.
Kulinarisch werden Speisepilze häufig wie Gemüse verwendet und im Handel in dessen Nähe angeboten. Diese praktische Zuordnung ändert ihre biologische Einordnung nicht.
Was ist mit Oliven und Avocados?
Oliven und Avocados sind botanische Früchte und wachsen an mehrjährigen Bäumen. Sie werden daher grundsätzlich dem Obst zugerechnet, obwohl sie wenig süß sind und vor allem in herzhaften Gerichten vorkommen.
Die Olive ist eine Steinfrucht. Die Avocado wird botanisch als Beere beschrieben. Ernährungsphysiologisch fallen beide durch ihren vergleichsweise hohen Fettgehalt aus der Reihe: Oliven liefern vor allem Öl, Avocados ebenfalls viele einfach ungesättigte Fettsäuren. Das zeigt, dass botanische Verwandtschaft oder Fruchtform allein nichts über Nährwerte aussagt.
Wie unterscheiden sich Obst und Gemüse ernährungsphysiologisch?
Obst enthält im Durchschnitt häufiger mehr natürliche Zucker und organische Säuren, während viele Gemüsearten energieärmer sind. Das ist aber nur eine Tendenz. Avocado ist fettreich, Kartoffel stärkereich, Tomate zuckerarm und Karotte süßlich. Eine starre Nährstoffgrenze existiert nicht.
Beide Gruppen können Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe liefern. Welche Stoffe vorkommen, hängt stärker von Art, Sorte, Reife, Lagerung und Zubereitung ab als vom Etikett „Obst“ oder „Gemüse“ allein.
Die DGE fasst Obst und Gemüse in ihrem aktuellen Ernährungskreis gemeinsam und empfiehlt gesunden Erwachsenen fünf Portionen täglich. Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide und Kartoffeln erscheinen zusätzlich als eigene pflanzliche Gruppen. Für eine abwechslungsreiche Ernährung ist diese praktische Einteilung hilfreicher als botanische Spitzfindigkeiten.
Zählt Saft wie Obst?
Saft stammt aus Früchten oder Gemüse, ist ernährungsphysiologisch aber nicht gleichwertig mit dem ganzen Lebensmittel. Beim Pressen gehen Teile der festen Struktur und Ballaststoffe verloren, während Zucker leicht und schnell aufgenommen werden kann. Säfte sättigen meist weniger als ganze Früchte.
Die DGE führt Säfte im Ernährungskreis mit einer begrenzten wöchentlichen Orientierung und nicht als unbegrenzten Ersatz für ganze Portionen. Smoothies behalten je nach Herstellung mehr Fruchtbestandteile, lassen sich aber ebenfalls schnell in großen Mengen trinken.
Warum heißt Fruchtzucker nicht „Obstzucker“?
Fruktose kommt in Obst vor, aber nicht nur dort. Sie ist Bestandteil von Haushaltszucker und findet sich auch in Honig und verschiedenen verarbeiteten Lebensmitteln. Der chemische Name „Fruktose“ beweist daher nicht, dass ein Produkt ernährungsphysiologisch wie eine ganze Frucht wirkt.
Ganzes Obst bringt Wasser, Ballaststoffe und zahlreiche weitere Inhaltsstoffe mit. Die Wirkung eines Lebensmittels hängt von der gesamten Struktur und Menge ab, nicht von einem einzelnen Zucker.
Welche Einteilung ist im Alltag sinnvoll?
Beim Kochen ist die kulinarische Einteilung am praktischsten. Tomaten, Gurken und Zucchini gehören in herzhafte Gemüsegerichte, auch wenn sie botanische Früchte sind. Für Gartenbau oder Biologie ist die Entstehung aus der Blüte entscheidend. Für Ernährungsplanung zählen Nährstoffprofil und Lebensmittelgruppe.
Man muss sich deshalb nicht für eine einzige Definition entscheiden. Wer sagt „Tomaten sind Gemüse“, meint normalerweise ihre Verwendung. Wer sagt „Tomaten sind Früchte“, meint ihren botanischen Ursprung. Beide Aussagen lassen sich präzisieren, statt darüber zu streiten.
Warum verwenden Handel und Landwirtschaft weitere Kategorien?
Im Erwerbsanbau ist wichtig, wie eine Kultur produziert, geerntet, gelagert und vermarktet wird. Obstbau umfasst typischerweise mehrjährige Bäume und Sträucher mit längeren Investitionszeiträumen. Gemüsebau arbeitet häufig mit kürzeren Kulturen auf Freilandflächen oder im Gewächshaus. Diese betriebliche Trennung erklärt viel, aber nicht jeden Grenzfall.
Handelsklassen und Rechtsvorschriften verfolgen wiederum praktische Zwecke wie Kennzeichnung, Qualitätskontrolle, Zoll oder Steuern. Sie müssen keine botanischen Lehrbücher abbilden. Das berühmte US-Gerichtsurteil zur Tomate aus dem 19. Jahrhundert ordnete sie für einen damaligen Zollzweck als Gemüse ein, obwohl das Gericht ihre botanische Fruchteigenschaft nicht bestritt. Solche Entscheidungen beantworten Rechtsfragen, keine Fragen zur Pflanzenmorphologie.
Auch im Supermarkt stehen Avocados manchmal beim Gemüse und Wassermelonen beim Obst. Die Platzierung erleichtert Einkauf und Warenpflege; sie ist kein wissenschaftliches Urteil.
Eine praktische Übersicht
| Lebensmittel | Botanisch | Kulinarisch/Ernährung |
|---|---|---|
| Tomate | Frucht, genauer Beere | Fruchtgemüse |
| Gurke | Frucht, Kürbisgewächs | Fruchtgemüse |
| Rhabarber | Blattstiel | Gemüse, oft wie Obst zubereitet |
| Erdbeere | Sammelnussfrucht | Beerenobst |
| Kartoffel | Sprossknolle | Stärkehaltige eigene Gruppe |
| Champignon | Pilz, keine Pflanze | Wie Gemüse verwendet |
Häufige Irrtümer
„Alles mit Samen ist Obst“
Botanische Früchte entstehen aus Blüten und tragen typischerweise Samen. „Obst“ ist aber eine kulinarische Gruppe. Eine Paprika hat Samen und ist botanische Frucht, wird dennoch als Gemüse gegessen.
„Süß bedeutet Obst“
Süße ist nur eine kulinarische Tendenz. Rhabarber wird süß zubereitet und bleibt Stielgemüse; Avocado ist eine Frucht, obwohl sie kaum süß schmeckt.
„Gemüse ist ein botanischer Fachbegriff“
Nein. Gemüse fasst viele unterschiedliche Pflanzenteile nach Nutzung zusammen. Botanisch gibt es Wurzeln, Blätter, Sprosse, Blüten und Früchte.
„Erdbeeren sind botanische Beeren“
Sie sind Sammelnussfrüchte. Die kleinen Nüsschen außen sind die eigentlichen Einzelfrüchte.
„Kartoffeln zählen genauso wie Salat“
Beide sind pflanzlich, unterscheiden sich aber stark im Stärke- und Energiegehalt. Ernährungsempfehlungen führen Kartoffeln daher meist in einer eigenen Gruppe.
Fazit
Der Unterschied zwischen Obst und Gemüse ist kein einzelnes Naturgesetz. Botanisch fragt man nach dem Pflanzenorgan: Eine Frucht entsteht aus einer Blüte. Kulinarisch zählen Geschmack, Zubereitung und Tradition. Ernährungswissenschaftlich werden Lebensmittel nach ihrer typischen Zusammensetzung und Rolle im Speiseplan gruppiert.
Darum sind Tomaten, Gurken, Paprika und Kürbisse botanische Früchte und zugleich kulinarisches Gemüse. Rhabarber ist ein Blattstiel, Erdbeeren sind Sammelnussfrüchte, Kartoffeln Sprossknollen und Pilze nicht einmal Pflanzen. Die scheinbaren Widersprüche verschwinden, sobald man sagt, welche Definition gemeint ist.
Der Kontext liefert also immer die entscheidende Antwort.
Häufige Fragen
Ist eine Tomate Obst oder Gemüse?
Botanisch ist sie eine Frucht und Beere. Kulinarisch gilt sie als Gemüse beziehungsweise Fruchtgemüse. Beide Einordnungen sind im passenden Kontext richtig.
Warum ist Rhabarber Gemüse?
Beim Rhabarber wird der Blattstiel gegessen, nicht die Frucht. Obwohl er häufig süß zubereitet wird, zählt er deshalb zum Stielgemüse.
Sind Gurken und Paprika Früchte?
Ja, botanisch entstehen beide aus Blüten und enthalten Samen. In der Küche werden sie als Gemüse verwendet.
Sind Erdbeeren echte Beeren?
Botanisch nein. Die Erdbeere ist eine Sammelnussfrucht; die kleinen Punkte auf ihrer Oberfläche sind einzelne Nüsschen.
Gehören Kartoffeln zu Gemüse?
Kulinarisch werden sie oft so bezeichnet. Botanisch sind sie Sprossknollen, und ernährungswissenschaftlich werden sie wegen ihres Stärkegehalts meist separat von Obst und Gemüse eingeordnet.






