Warum gibt es Wüsten?
Kurze Antwort
Wüsten gibt es vor allem dort, wo über lange Zeit sehr wenig Regen fällt. Häufig liegt das an der globalen Luftzirkulation: Trockene Luft sinkt in bestimmten Breiten (rund um die Wendekreise) ab und verhindert Wolken und Niederschlag. Dazu kommen regionale Effekte wie Regenschatten von Gebirgen, kalte Meeresströmungen, große Entfernung vom Meer und teilweise auch menschliche Einflüsse wie Entwaldung und Überweidung.
Ausführliche Erklärung
Eine Wüste ist ein Gebiet mit extrem wenig Niederschlag. Häufig wird als grobe Grenze verwendet: weniger als etwa 250 Millimeter Regen im Jahr. In solchen Regionen ist die Vegetation sehr spärlich oder fast ganz fehlend – deshalb wirken Wüsten karg und „leer“.
Entscheidend ist also nicht, ob es heiß ist, sondern wie viel Wasser zur Verfügung steht. Neben heißen Trockenwüsten (z. B. Sahara) gibt es deshalb auch kalte Wüsten, etwa in den Polarregionen oder in Hochgebirgen.
Warum ist es in manchen Gegenden der Erde nun so trocken?
- Globale Luftzirkulation (Hadley-Zellen): Am Äquator steigt warme, feuchte Luft auf, kühlt ab und regnet sich ab. Die trockene Luft fließt in der Höhe nach Norden und Süden und sinkt etwa bei 20–30 Grad Breite wieder ab. Beim Absinken erwärmt sie sich, Wolken lösen sich auf, und es bleibt trocken. In diesen subtropischen Hochdruckgürteln liegen viele große Wüsten der Erde.
- Regenschatten von Gebirgen: Feuchte Luft wird an Gebirgen zum Aufsteigen gezwungen, regnet auf der Luvseite ab und kommt auf der Leeseite trocken an. Dahinter können Regenschattenwüsten entstehen, etwa Teile der Atacama.
- Kalte Meeresströmungen: Entlang kalter Strömungen (z. B. vor Teilen Südamerikas oder Afrikas) kühlt die Luft über dem Meer stark ab. Es bilden sich oft Nebel statt kräftiger Regenwolken, deshalb bleibt das Hinterland sehr trocken.
- Große Entfernung vom Meer (Binnenlagen): In der Mitte großer Kontinente ist feuchte Meeresluft kaum noch vorhanden, daher fällt dort deutlich weniger Niederschlag.
- Menschlicher Einfluss (Desertifikation): Durch Entwaldung, Überweidung oder falsche Bewirtschaftung können Böden degradiert werden. In ohnehin trockenen Randzonen von Wüsten führt das dazu, dass sich Wüsten ausbreiten.
All diese Faktoren führen dazu, dass es in bestimmten Regionen der Erde so selten regnet, dass sich Wüsten bilden und über lange Zeit erhalten bleiben.
Alltagsbeispiel
Stell dir vor, du fährst mit einem vollgesaugten Schwamm los und drückst ihn unterwegs immer wieder aus. Am Ende der Strecke ist kaum noch Wasser im Schwamm.
Ähnlich verhält es sich mit der Luft: In der Nähe des Äquators steigt feuchte Luft auf und regnet ab. Auf ihrem Weg in andere Breiten verliert sie also „ihr Wasser“. Wenn diese Luftmassen später wieder absinken, sind sie trocken – wie ein fast ausgepresster Schwamm. In den Regionen, in denen diese trockene Luft auf die Erdoberfläche trifft, ist es daher besonders niederschlagsarm: Dort liegen viele Wüsten.
Schritt-für-Schritt-Erklärung
- Die Sonne erwärmt die Luft am Äquator stark, sie nimmt viel Wasserdampf auf.
- Die Luft steigt auf, kühlt sich ab und es regnet heftig – die Luft wird trockener.
- In großer Höhe strömt diese Luft nach Norden und Süden in Richtung der Wendekreise.
- Dort sinkt die nun trockene Luft wieder ab und erwärmt sich dabei.
- Wärmere, trockene Luft verhindert Wolkenbildung und Regen – es bleibt sonnig und trocken.
- Über Jahre und Jahrtausende führt dieser Niederschlagsmangel dazu, dass sich Wüsten bilden.
- Gebirge, kalte Meeresströmungen oder große Landentfernungen können diesen Effekt noch verstärken.
Wichtige Punkte in der Übersicht
- Wüsten entstehen vor allem durch Niederschlagsmangel, nicht nur durch hohe Temperaturen.
- Die Hadley-Zellen der globalen Luftzirkulation erzeugen trockene subtropische Hochdruckgürtel.
- Regenschatten, kalte Meeresströmungen und Binnenlagen verstärken die Trockenheit.
- Es gibt heiße und kalte Wüsten (z. B. Polar- und Hochgebirgswüsten).
- Der Mensch kann durch Desertifikation dazu beitragen, dass Wüsten größer werden.
FAQ
Gibt es nur heiße Sandwüsten?
Nein. Das typische Bild einer Wüste ist zwar eine heiße Sandwüste wie Teile der Sahara. Tatsächlich gibt es aber auch Kies-, Fels- und Salzwüsten – und sogar kalte Wüsten in den Polarregionen oder Hochgebirgen. Entscheidend ist die Trockenheit, nicht die Temperatur oder die Bodenart.
Wie wenig Regen fällt in einer Wüste?
Viele Definitionen setzen die Grenze bei etwa 250 Millimetern Niederschlag pro Jahr. Manche Wüsten bekommen deutlich weniger, teilweise regnet es dort nur alle paar Jahre oder sogar nur einmal in einem Jahrzehnt. Zum Vergleich: In Mitteleuropa sind oft 600 bis über 1 000 Millimeter pro Jahr normal.
Warum gibt es auch kalte Wüsten?
Auch in sehr kalten Regionen kann es zu trocken sein, damit Pflanzen gut wachsen können. In Polarwüsten oder Hochgebirgswüsten fällt nur wenig Niederschlag, und er liegt meist als Eis oder Schnee vor. Das Wasser ist dann für Pflanzen kaum nutzbar – deshalb gelten diese Gebiete ebenfalls als Wüsten.
Können Wüsten wieder „grün“ werden?
Natürlich entstandene Wüsten lassen sich kaum komplett in fruchtbare Landschaften zurückverwandeln. In einigen Randgebieten können aber Bewässerung, Aufforstung und angepasste Landnutzung helfen, Desertifikation zu stoppen oder etwas zurückzudrängen. Das ist jedoch aufwendig und ökologisch nicht immer sinnvoll.
Fun Fact
Die Sahara war vor einigen tausend Jahren stellenweise deutlich grüner als heute. Damals sorgten andere Klima- und Monsunverhältnisse für mehr Regen: Es gab Seen, Flüsse und Savannen mit Wildtieren. Klimaveränderungen verschoben die Niederschlagszonen – übrig blieb die heutige Wüste.
Zusammenfassung
Wüsten gibt es, weil in bestimmten Regionen der Erde dauerhaft zu wenig Regen fällt. Hauptursache ist die globale Luftzirkulation, durch die trockene Luft in subtropischen Hochdruckgebieten absinkt und Wolkenbildung verhindert. Dazu kommen regionale Einflüsse wie Regenschatten, kalte Meeresströmungen und große Entfernungen zum Meer. So entstehen sehr trockene Landschaften mit wenig Vegetation – Wüsten.
