Kurze Antwort
Meerwasser kann man nicht als Trinkwasser nutzen, weil es mit durchschnittlich etwa 3,5 Prozent gelösten Salzen viel zu salzig ist. Die menschlichen Nieren müssen überschüssiges Salz mit dem Urin ausscheiden, können den Urin aber nicht stark genug konzentrieren, um diese Salzmenge mit weniger Wasser loszuwerden, als man durch das Meerwasser aufgenommen hat. Wer Meerwasser gegen Durst trinkt, verliert daher netto zusätzliches Körperwasser. Die Folge können zunehmender Durst, Verwirrtheit, Krämpfe, Nierenschäden und schließlich lebensbedrohliche Austrocknung sein. Ein versehentlicher kleiner Schluck beim Baden ist für gesunde Menschen meist kein Problem; regelmäßiges oder größeres Trinken ist es.
Wie salzig ist Meerwasser?
Das Wasser der offenen Ozeane enthält im Mittel ungefähr 35 Gramm gelöste Salze pro Kilogramm Meerwasser. Das entspricht rund 35 Teilen pro Tausend oder etwa 3,5 Prozent nach Masse. Der genaue Salzgehalt schwankt: Regen, Flüsse und schmelzendes Eis verdünnen das Wasser, während starke Verdunstung und geringe Wasserzufuhr es konzentrieren. Küsten, Flussmündungen und abgeschlossene Meere können deshalb deutlich vom Durchschnitt abweichen.
Das Wort „Salz“ meint dabei nicht ausschließlich Kochsalz. Natrium- und Chloridionen stellen zwar den größten Anteil, im Meerwasser sind aber auch Magnesium, Sulfat, Calcium, Kalium und weitere gelöste Stoffe vorhanden. Für die Frage nach der Trinkbarkeit ist besonders die gesamte gelöste Salzlast wichtig.
Ein Liter Meerwasser wiegt etwas mehr als ein Kilogramm und enthält grob mehrere Dutzend Gramm Salz. Das ist kein exakter Küchenwert, weil Temperatur und Salzgehalt variieren. Schon die Größenordnung zeigt aber den Unterschied zu gewöhnlichem Trinkwasser: Meerwasser ist nicht einfach Wasser mit einem leicht salzigen Geschmack, sondern eine stark konzentrierte Salzlösung.
Warum braucht der Körper überhaupt Salz?
Natrium und Chlorid sind lebensnotwendig. Sie helfen, Flüssigkeit zwischen Zellen und Blutbahn zu verteilen, elektrische Signale in Nerven weiterzuleiten und Muskeln arbeiten zu lassen. Das Problem ist also nicht, dass Salz grundsätzlich giftig wäre, sondern dass die Konzentration und die aufgenommene Menge zu hoch sind.
Der Körper hält die Salzkonzentration im Blut in einem engen Bereich. Steigt sie, registrieren Sensoren unter anderem im Gehirn die Veränderung. Man bekommt Durst, und das Hormon Vasopressin hilft den Nieren, Wasser zurückzuhalten. Bei normalem Essen funktioniert dieses System zusammen mit ausreichendem Trinken sehr gut. Eine große Menge Meerwasser überfordert es jedoch, weil gleichzeitig viel Wasser und noch viel mehr Salz aufgenommen werden, als der Körper gebrauchen kann.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Enthält Meerwasser Wasser?“ Natürlich tut es das. Entscheidend ist, ob der Körper nach der Ausscheidung der zusätzlichen Salze mehr nutzbares Wasser gewonnen oder verloren hat.
Was machen die Nieren mit dem Salz?
Die Nieren filtern fortlaufend das Blut. In den Nierenkanälchen werden Wasser und gelöste Stoffe je nach Bedarf zurückgewonnen oder ausgeschieden. So reguliert der Körper unter anderem Natrium, Kalium, Säure-Basen-Haushalt und Flüssigkeitsmenge. Bei Wassermangel kann er relativ konzentrierten Urin bilden und dadurch Wasser sparen.
Diese Konzentrationsleistung hat jedoch eine Grenze. Nach Angaben der US-Meeresbehörde NOAA können menschliche Nieren keinen Urin erzeugen, der hinsichtlich seiner Salzlast so konzentriert ist wie Meerwasser. Um das mit Meerwasser aufgenommene überschüssige Salz auszuscheiden, wird daher mehr Wasser für den Urin benötigt, als das Getränk dem Körper nutzbar zur Verfügung stellt. Die Wasserbilanz wird negativer statt besser.
Das ist der zentrale Grund, warum Meerwasser den Durst verstärkt. Der Körper fordert weiteres Wasser an, um die erhöhte Konzentration gelöster Stoffe zu verdünnen. Trinkt man daraufhin noch mehr Meerwasser, gelangt erneut Salz in den Körper. Es entsteht ein gefährlicher Kreislauf.
Welche Rolle spielt Osmose?
Osmose beschreibt die Bewegung von Wasser durch eine halbdurchlässige Membran in Richtung der Seite mit höherer Konzentration gelöster Teilchen. Im Körper sind die Verhältnisse komplizierter als in einem Schulversuch, weil Zellmembranen unterschiedliche Stoffe transportieren und Hormone sowie Organe gegensteuern. Das Grundprinzip hilft dennoch beim Verständnis.
Wenn die Konzentration von Natrium und anderen osmotisch wirksamen Teilchen außerhalb der Zellen stark steigt, wird Wasser aus Zellen in den Extrazellulärraum gezogen. Zellen verlieren Wasser und schrumpfen. Besonders empfindlich reagiert das Gehirn auf schnelle Veränderungen der Natriumkonzentration. Deshalb kann eine ausgeprägte Hypernatriämie – also zu viel Natrium im Blut – neurologische Symptome verursachen.
Die vereinfachte Aussage „Das Salz zieht das Wasser aus jeder Zelle“ trifft den Kern, lässt aber die Nieren- und Hormonregulation aus. Präziser ist: Meerwasser erhöht die Salzlast, verschiebt Wasser zwischen Körperräumen und zwingt die Nieren zu einer Ausscheidung, für die zusätzliches Wasser benötigt wird.
Was passiert, wenn man Meerwasser trinkt?
Die Folgen hängen von Menge, Zeitraum, Körpergröße, Nierenfunktion, Temperatur, körperlicher Belastung und verfügbarer Süßwassermenge ab. Ein einzelner kleiner Schluck führt meist nur zu unangenehmem Geschmack, Husten oder vorübergehendem Durst. Er ist nicht mit dem wiederholten Trinken gegen Austrocknung gleichzusetzen.
Bei größeren Mengen können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Dadurch geht zusätzlich Flüssigkeit verloren. Der Durst nimmt zu, der Mund wird trocken, der Urin wird weniger und dunkler, und Schwäche oder Schwindel können entstehen. Steigt die Natriumkonzentration im Blut stark an, sind Reizbarkeit, Muskelzuckungen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen und Koma möglich.
Auch die Nieren werden belastet. Bereits dehydrierte Menschen haben weniger Spielraum, um Salz auszuscheiden. Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Nieren-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen können besonders gefährdet sein. Eine genaue „gefährliche Menge“ für alle gibt es deshalb nicht.
Ist ein Schluck Meerwasser beim Schwimmen gefährlich?
Ein versehentlich verschluckter kleiner Schluck ist bei einem gesunden Erwachsenen normalerweise kein Grund zur Panik. Häufiger sind Husten, Würgereiz oder ein salziger Nachgeschmack. Man kann den Mund mit sauberem Wasser ausspülen und anschließend normales Trinkwasser trinken.
Problematisch kann nicht nur das Salz sein. Küstenwasser kann Krankheitserreger, Algenbiotoxine, Abwasser oder andere Verunreinigungen enthalten. Nach starkem Regen, bei offiziellen Badeverboten oder sichtbaren Algenblüten ist besondere Vorsicht angebracht. Solche Risiken unterscheiden sich je nach Ort und Zeitpunkt.
Medizinische Hilfe ist sinnvoll, wenn eine größere Menge getrunken wurde oder anhaltendes Erbrechen, starke Benommenheit, Verwirrtheit, Krämpfe, Atemprobleme oder deutlich verminderte Urinausscheidung auftreten. Wer beim Verschlucken Wasser eingeatmet hat und danach Atemnot oder anhaltenden Husten entwickelt, sollte ebenfalls ärztlich beurteilt werden.
Kann man Meerwasser mit Süßwasser verdünnen?
Durch Verdünnen sinkt die Salzkonzentration. In einer Notsituation ist es dennoch keine gute Idee, ohne verlässliche Messung Mischungen nach Gefühl herzustellen. Die endgültige Konzentration hängt vom Salzgehalt des Meerwassers und vom Mischungsverhältnis ab. Außerdem kann das Ausgangswasser mikrobiell oder chemisch belastet sein.
Wenn sauberes Süßwasser verfügbar ist, sollte es direkt getrunken und geschützt aufbewahrt werden. Es mit Meerwasser zu strecken, vergrößert zwar das Volumen, erhöht aber die Salzaufnahme und kann die sichere Versorgung verschlechtern. Professionelle Trinkwasseraufbereitung arbeitet mit kontrollierten Verfahren und Qualitätsmessungen, nicht mit grobem Abschmecken.
Brackwasser ist weniger salzig als Meerwasser, aber nicht automatisch trinkbar. Auch niedrigerer Salzgehalt, Krankheitserreger oder Schadstoffe können es ungeeignet machen. „Es schmeckt kaum salzig“ ist keine zuverlässige Trinkwasserprüfung.
Hilft Abkochen?
Normales Abkochen entfernt gelöste Salze nicht. Im Gegenteil: Wenn ein Teil des Wassers als Dampf entweicht und der Dampf nicht aufgefangen wird, bleiben die Salze zurück und werden im restlichen Wasser stärker konzentriert. Kochen kann bestimmte Krankheitserreger inaktivieren, macht aus Meerwasser aber kein Trinkwasser.
Trinkbares Wasser entsteht erst, wenn Wasser und Salze tatsächlich getrennt werden. Bei der Destillation wird Wasser verdampft und der Dampf in einem getrennten, sauberen Behälter wieder kondensiert. Das Salz verbleibt größtenteils im ursprünglichen Gefäß. Eine bloße Pfanne mit kochendem Meerwasser leistet diese Trennung nicht.
Auch Destillation ist nicht automatisch narrensicher. Flüchtige Chemikalien können je nach Stoff mit dem Wasserdampf übergehen, und unsaubere Geräte können das Destillat wieder verunreinigen. Für eine dauerhafte Versorgung sind kontrollierte technische Systeme und eine Prüfung der Wasserqualität erforderlich.
Wie funktioniert Meerwasserentsalzung?
In großen Anlagen wird häufig Umkehrosmose eingesetzt. Dabei pressen Pumpen Meerwasser mit hohem Druck durch Membranen, die Wasser wesentlich leichter passieren lassen als die meisten gelösten Salze. Es entstehen ein salzarmes Produktwasser und eine stärker konzentrierte Sole.
Ein anderes Prinzip ist die thermische Entsalzung. Wasser wird verdampft und anschließend kondensiert, teils in mehreren energieeffizient verschalteten Stufen. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt unter anderem von Energiepreisen, Anlagenmaßstab, Ausgangswasser und lokaler Infrastruktur ab.
Das Produktwasser muss anschließend aufbereitet werden. Dazu können Desinfektion, Stabilisierung des pH-Werts und die kontrollierte Zugabe bestimmter Mineralien gehören. Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass sichere Entsalzung nicht nur das Entfernen von Salz umfasst, sondern auch mikrobiologische und chemische Risiken vom Rohwasser bis zur Verteilung beherrschen muss.
Entsalzung kann Regionen mit knappen Süßwasserquellen versorgen, ist aber kein kostenloser Zaubertrick. Sie benötigt Energie, technische Wartung und eine verantwortliche Entsorgung oder Verdünnung der konzentrierten Sole. Umweltfolgen hängen stark von Standort, Energiequelle, Ansaugung und Einleitung ab.
Was passiert mit der Sole aus Entsalzungsanlagen?
Nach der Umkehrosmose bleibt Wasser zurück, das salziger als das ursprüngliche Meerwasser ist. Diese Sole kann außerdem Reste von Reinigungschemikalien oder Aufbereitungsstoffen enthalten. Wird sie schlecht verteilt an empfindlichen Küstenabschnitten eingeleitet, kann sie lokal Dichte, Salzgehalt und Sauerstoffverhältnisse beeinflussen und Organismen belasten.
Moderne Anlagen planen deshalb Ansaugung, Vorbehandlung, Diffusoren und Einleitungsort sorgfältig. Mancherorts wird Sole mit anderem Wasser verdünnt oder gemeinsam mit Kühlwasser abgegeben. Auch eine Nutzung bestimmter Inhaltsstoffe wird erforscht. Welche Lösung ökologisch sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Meeresgebiet ab; eine pauschale Aussage für jede Anlage wäre nicht seriös.
Kann ein tragbarer Filter Meerwasser trinkbar machen?
Gewöhnliche Outdoor- oder Campingfilter entfernen je nach Modell Partikel, Protozoen und einige Bakterien. Gelöste Salzionen sind viel kleiner und passieren solche Filter. Auch Aktivkohle verbessert Geschmack und bindet bestimmte organische Stoffe, entfernt aber die große Salzmenge des Meerwassers nicht zuverlässig.
Für Meerwasser sind ausdrücklich dafür ausgelegte Entsalzer nötig, beispielsweise kleine Umkehrosmosegeräte für Boote oder Rettungsausrüstung. Sie benötigen hohen Druck, korrekte Bedienung und Wartung. Herstellerangaben zu Salzrückhaltung, Leistung und Einsatzgrenzen müssen beachtet werden.
Ein Produkt mit der Aufschrift „Wasserfilter“ ist daher nicht automatisch ein Meerwasserentsalzer. Diese Unterscheidung ist in einer Notlage entscheidend.
Warum sind Elektrolytgetränke trinkbar, Meerwasser aber nicht?
Elektrolyt- oder Rehydratationslösungen enthalten ebenfalls Natrium und andere gelöste Stoffe. Ihre Zusammensetzung ist jedoch gezielt darauf abgestimmt, Wasser und Elektrolyte im Darm aufzunehmen. Eine medizinische orale Rehydratationslösung kombiniert Wasser, Salze und Glukose in festgelegten Mengen. Der gekoppelte Transport von Natrium und Glukose fördert dabei die Wasseraufnahme.
Meerwasser ist kein solches Getränk. Es enthält ungefähr 35 Gramm verschiedener Salze pro Kilogramm und hat weder die passende Salzkonzentration noch das vorgesehene Verhältnis zu Glukose. Ein süßes Sportgetränk und eine medizinische Rehydratationslösung sind ebenfalls nicht dasselbe: Sportgetränke können viel Zucker enthalten und sind nicht automatisch zur Behandlung einer schweren Austrocknung geeignet.
Auch selbst gemischtes Salzwasser ist riskant, wenn Mengen nur geschätzt werden. Eine zu konzentrierte Mischung kann den Zustand verschlechtern. Bei Durchfallerkrankungen sollten standardisierte Präparate nach Anleitung oder medizinische Empfehlungen verwendet werden. Dieser Vergleich zeigt: Nicht das bloße Vorhandensein von Salz entscheidet, sondern seine genaue Konzentration und Zusammensetzung.
Warum können manche Meerestiere Meerwasser trinken?
Meeresbewohner sind an ihre Umgebung angepasst. Viele Knochenfische im Meer verlieren durch Osmose Wasser an die salzige Umgebung. Sie trinken Meerwasser und scheiden überschüssige Salze aktiv über spezialisierte Zellen in den Kiemen sowie über die Nieren aus. Ihr Körper arbeitet also anders als der menschliche.
Haie und Rochen verfolgen eine andere Strategie: Sie halten unter anderem Harnstoff im Körper zurück und verringern damit den osmotischen Unterschied zum Meerwasser. Seevögel und einige Reptilien besitzen leistungsfähige Salzdrüsen, die hoch konzentrierte Salzlösungen ausscheiden können.
Dass ein Tier Meerwasser nutzen kann, bedeutet daher nicht, dass die Flüssigkeit an sich ungefährlich ist. Evolution hat unterschiedliche Organe und Regulationsmechanismen hervorgebracht. Menschen besitzen keine solchen Salzdrüsen und ihre Nieren reichen für eine positive Wasserbilanz aus Meerwasser nicht aus.
Was sollte man in einer Seenotlage tun?
Meerwasser sollte nicht getrunken werden – auch nicht erst dann, wenn der Durst sehr stark ist. Rettungsorganisationen planen Notwasservorräte und Entsalzungsgeräte gerade deshalb ein. Wer sich auf See befindet, sollte frühzeitig Notruf- und Ortungsmittel einsetzen, Wasser rationiert nach den Vorgaben der Rettungsausrüstung nutzen und jede sichere Süßwasserquelle schützen.
Regenwasser kann mit sauberer Plane oder vorgesehenen Auffangsystemen gesammelt werden. Gefäße sollten möglichst frei von Salz sein; die erste Wassermenge kann Oberflächen abspülen. Ob selbst gebaute Solarstillen ausreichend Wasser liefern, hängt stark von Wetter, Fläche und Konstruktion ab. Sie sind keine verlässliche Rechtfertigung, ohne Notfallausrüstung aufzubrechen.
Urin ist ebenfalls kein geeigneter Ersatz für Trinkwasser. Er enthält Salze und Stoffwechselprodukte und wird bei Dehydrierung immer konzentrierter. Auch Alkohol beschleunigt die Problemlösung nicht. Wer eine reale Seenotlage plant – etwa bei einer längeren Segelreise –, braucht passende Vorräte, Redundanz, Kommunikationsmittel und eine Einweisung in die vorhandene Entsalzungs- und Rettungstechnik.
Wie wird eine Salzvergiftung behandelt?
Eine schwere Erhöhung der Natriumkonzentration gehört in medizinische Behandlung. Ärztinnen und Ärzte prüfen Symptome, Kreislauf, Nierenfunktion und Elektrolyte und ersetzen Flüssigkeit kontrolliert. Dabei ist nicht nur die Menge, sondern auch das Tempo wichtig: Eine stark erhöhte Natriumkonzentration darf insbesondere nach längerem Bestehen nicht beliebig schnell korrigiert werden, weil rasche Flüssigkeitsverschiebungen das Gehirn schädigen können.
Deshalb sollte man nach einer größeren aufgenommenen Menge nicht versuchen, mit extrem großen Wassermengen in kürzester Zeit gegenzusteuern. Bei Beschwerden ist eine Giftinformationszentrale oder medizinische Stelle die bessere Anlaufstelle. Bewusstlosen oder krampfenden Personen darf nichts eingeflößt werden; bei schweren Symptomen gilt der Notruf 112.
Für einen kleinen versehentlichen Schluck ohne Beschwerden genügt normalerweise normales Trinken nach Durst. Die Behandlung einer echten Salzvergiftung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten und gehört nicht in Eigenregie.
Warum ist Meerwasser überhaupt salzig?
Regenwasser nimmt aus Atmosphäre und Boden geringe Mengen gelöster Stoffe auf. Flüsse transportieren Ionen aus verwittertem Gestein in die Ozeane. Zusätzlich gelangen Stoffe durch hydrothermale Prozesse und andere geologische Vorgänge ins Meer. Wasser verdunstet aus dem Ozean, die Salze bleiben jedoch größtenteils zurück.
Das bedeutet nicht, dass der Salzgehalt seit Entstehung der Ozeane einfach unbegrenzt gestiegen ist. Ionen werden auch wieder entfernt: Organismen bauen sie in Schalen und Skelette ein, Mineralien fallen aus, Sedimente binden Stoffe, und geologische Prozesse verändern den Meeresboden. Über lange Zeiträume entsteht ein dynamisches Gleichgewicht.
Natrium und Chlorid bleiben vergleichsweise lange im Ozean und dominieren deshalb die gelösten Ionen. Regionale Unterschiede entstehen vor allem durch die Balance von Verdunstung, Niederschlag, Flusszufluss, Eisbildung, Eisschmelze und Wasseraustausch.
Ist Wasser aus dem Toten Meer noch gefährlicher?
Das Tote Meer ist wesentlich salziger als gewöhnliches Ozeanwasser. Es besitzt keinen normalen Abfluss zum Meer; Wasser geht vor allem durch Verdunstung verloren, während gelöste Mineralstoffe zurückbleiben. Seine Zusammensetzung unterscheidet sich außerdem von der des offenen Ozeans.
Schon kleine Mengen können Schleimhäute stark reizen. Verschlucken kann schwere Störungen des Salz- und Mineralstoffhaushalts verursachen und erfordert je nach Menge und Symptomen medizinische Beurteilung. Beim Baden sollte man vermeiden zu tauchen oder Wasser in Mund und Augen zu bekommen und lokale Sicherheitshinweise beachten.
Das Tote Meer zeigt besonders deutlich, dass „natürliches Wasser“ nicht gleich Trinkwasser ist. Klarheit, Farbe oder Herkunft sagen wenig darüber aus, ob eine Flüssigkeit sicher getrunken werden kann.
Häufige Irrtümer
„Wenn ich nur kleine Mengen trinke, gewöhnt sich der Körper daran“
Der Mensch entwickelt keine Salzdrüsen und keine grundsätzlich leistungsfähigeren Nieren, nur weil er wiederholt Meerwasser trinkt. Kleine versehentliche Mengen sind etwas anderes als eine regelmäßige Flüssigkeitsquelle.
„Kochendes Meerwasser ist danach sauber“
Kochen kann Keime reduzieren, entfernt aber das Salz nicht. Ohne Auffangen und Kondensieren des Dampfes wird das verbleibende Wasser sogar salziger.
„Jeder Outdoorfilter entfernt Salz“
Die meisten tragbaren Filter sind für Partikel und Mikroorganismen gedacht. Nur ausdrücklich als Entsalzer konstruierte Systeme können den Salzgehalt ausreichend senken.
„Meerwasser löscht zumindest kurzfristig den Durst“
Der Mund wird zwar nass, aber die hohe Salzlast verschlechtert die Wasserbilanz. Der Durst kehrt stärker zurück, während die Dehydrierung fortschreitet.
„Salz ist ungesund, deshalb ist jede Menge problematisch“
Natrium und Chlorid sind lebensnotwendig. Entscheidend sind Konzentration, Dosis und die Fähigkeit des Körpers, Überschüsse auszuscheiden. Meerwasser überschreitet die als Getränk geeignete Konzentration deutlich.
Fazit
Meerwasser enthält zwar viel Wasser, liefert dem menschlichen Körper aber keine positive Flüssigkeitsbilanz. Seine hohe Salzkonzentration zwingt die Nieren, für die Ausscheidung mehr Wasser einzusetzen, als durch das Trinken gewonnen wird. Dadurch verstärkt es Austrocknung und kann bei größeren Mengen gefährliche Störungen des Natriumhaushalts verursachen.
Abkochen und gewöhnliche Filter lösen das Problem nicht. Trinkbar wird Meerwasser erst durch echte Entsalzung, kontrollierte Nachbehandlung und hygienisch sichere Speicherung. Ein kleiner versehentlicher Schluck beim Schwimmen ist meist harmlos; Meerwasser gezielt gegen Durst zu trinken ist dagegen niemals eine sinnvolle Überlebensstrategie.
Häufige Fragen
Warum macht Meerwasser noch durstiger?
Der Körper benötigt zusätzliches Wasser, um die große Menge aufgenommener Salze auszuscheiden und die Konzentration im Blut zu regulieren. Dadurch wird die Wasserbilanz negativer und der Durst nimmt zu.
Ist ein Schluck Meerwasser gefährlich?
Ein kleiner versehentlicher Schluck ist für gesunde Menschen meist kein Problem. Größere Mengen, anhaltendes Erbrechen, Verwirrtheit, Krämpfe oder Atemprobleme erfordern medizinische Hilfe.
Kann man Meerwasser abkochen und dann trinken?
Nein. Einfaches Abkochen lässt das Salz zurück. Bei einer Destillation muss der Wasserdampf getrennt aufgefangen und wieder verflüssigt werden.
Kann man Meerwasser filtern?
Mit einem gewöhnlichen Campingfilter nicht. Geeignet sind speziell konstruierte Entsalzungsanlagen, etwa Umkehrosmose- oder Destillationssysteme.
Warum können Fische Meerwasser vertragen?
Meeresfische besitzen besondere Regulationsmechanismen und können überschüssige Salze unter anderem über spezialisierte Kiemenzellen ausscheiden. Der menschliche Körper verfügt nicht über diese Anpassung.






