El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das das Wetter in vielen Teilen der Erde beeinflussen kann. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik ungewöhnlich stark. Gleichzeitig verändern sich die Passatwinde und die großräumige Luftzirkulation über dem Ozean.
Entscheidend ist: El Niño ist nicht einfach nur „warmes Wasser vor Südamerika“. Das Phänomen entsteht durch ein Zusammenspiel zwischen Ozean und Atmosphäre. Verändern sich die Winde, verändert sich das Meer – und diese Veränderungen im Meer wirken wiederum auf die Atmosphäre zurück.
El Niño kurz erklärt:
Normalerweise treiben kräftige Passatwinde warmes Oberflächenwasser im tropischen Pazifik nach Westen in Richtung Indonesien und Australien. Während El Niño schwächen sich diese Winde ab. Warmes Wasser breitet sich weiter nach Osten aus, vor Südamerika steigt weniger kaltes Tiefenwasser auf und auch die tropischen Niederschlagsgebiete verlagern sich. Dadurch können sich Wettermuster weit über den Pazifik hinaus verändern.
Was ist El Niño genau?
El Niño ist die warme Phase eines natürlichen Klimasystems namens ENSO. Die Abkürzung steht für „El Niño-Southern Oscillation“, auf Deutsch etwa „El Niño-Südliche Oszillation“.
ENSO beschreibt gekoppelte Schwankungen des tropischen Pazifiks und der darüberliegenden Atmosphäre. Das System kennt drei grundlegende Zustände:
- El Niño: Der zentrale und östliche äquatoriale Pazifik ist ungewöhnlich warm.
- La Niña: Dieselbe Region ist ungewöhnlich kühl.
- ENSO-neutral: Weder El-Niño- noch La-Niña-Bedingungen dominieren.
Die Wechsel zwischen diesen Zuständen verlaufen unregelmäßig. El Niño und La Niña treten im Durchschnitt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf. Ein El-Niño-Ereignis dauert häufig ungefähr neun bis zwölf Monate, kann aber auch länger anhalten.
Wie sieht der tropische Pazifik normalerweise aus?
Um El Niño zu verstehen, muss man zunächst wissen, wie der tropische Pazifik ohne El Niño funktioniert.
Entlang des Äquators wehen normalerweise sogenannte Passatwinde von Osten nach Westen. Sie treiben das warme Oberflächenwasser des Pazifiks in Richtung Indonesien und Australien.
Dadurch sammelt sich im westlichen tropischen Pazifik besonders viel warmes Wasser. Dort ist die Meeresoberfläche normalerweise deutlich wärmer als vor der südamerikanischen Pazifikküste.
Kaltes Tiefenwasser steigt vor Südamerika auf
Weil Oberflächenwasser nach Westen transportiert wird, kann vor der Küste Südamerikas Wasser aus tieferen Schichten nach oben steigen. Dieser Vorgang wird Auftrieb oder Upwelling genannt.
Das aufsteigende Wasser ist vergleichsweise kalt und reich an Nährstoffen. Diese Nährstoffe unterstützen das Wachstum von Phytoplankton und bilden damit eine wichtige Grundlage für die produktiven Meeresökosysteme vor Peru und Ecuador.
Was ist die Thermokline?
Eine weitere wichtige Rolle spielt die Thermokline. Dabei handelt es sich vereinfacht um die Übergangszone zwischen warmem Oberflächenwasser und deutlich kälterem Wasser darunter.
Im normalen tropischen Pazifik ist diese Grenzschicht stark geneigt:
- Im westlichen Pazifik liegt warmes Wasser besonders tief.
- Im östlichen Pazifik vor Südamerika liegt das kalte Tiefenwasser wesentlich näher an der Oberfläche.
Deshalb kann dort vergleichsweise leicht kaltes Wasser aufsteigen.
Was ist die Walker-Zirkulation?
Auch die Atmosphäre über dem tropischen Pazifik folgt im Normalzustand einem charakteristischen Muster. Diese großräumige Luftzirkulation wird Walker-Zirkulation genannt.
Über dem sehr warmen Westpazifik steigt feuchtwarme Luft auf. Dabei bilden sich Wolken und häufig starke tropische Niederschläge. In großer Höhe strömt die Luft nach Osten, sinkt über dem kühleren östlichen Pazifik wieder ab und bewegt sich nahe der Erdoberfläche als Teil der Passatströmung zurück nach Westen.
Ozean und Atmosphäre verstärken sich damit gegenseitig:
- Die Passatwinde schieben warmes Wasser nach Westen.
- Das warme Wasser begünstigt dort aufsteigende Luft und starke Niederschläge.
- Die damit verbundene Luftdruckverteilung unterstützt wiederum die Passatwinde.
Genau dieses gekoppelte System verändert sich während eines El Niño.
Wie entsteht El Niño?
Ein El Niño entwickelt sich, wenn das normale Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik gestört wird.
Ein zentraler Bestandteil ist eine Abschwächung der östlichen Passatwinde. Teilweise treten im westlichen oder zentralen Pazifik sogar Windabweichungen aus westlicher Richtung auf.
Dadurch wird weniger warmes Oberflächenwasser nach Westen gedrückt. Warmes Wasser kann sich stattdessen weiter nach Osten über den zentralen und östlichen Pazifik ausbreiten.
1. Die Passatwinde werden schwächer
Wenn der Ost-West-Transport des Oberflächenwassers nachlässt, verändert sich die Verteilung der Wärme im tropischen Pazifik.
Der sonst besonders warme Westpazifik verliert einen Teil seines Temperaturvorsprungs, während sich der zentrale und östliche Pazifik erwärmt.
2. Warmes Wasser breitet sich nach Osten aus
Die ungewöhnlich warme Wassermasse kann sich entlang des Äquators weit in Richtung Südamerika verlagern.
Dabei spielen auch Veränderungen unterhalb der Meeresoberfläche eine Rolle. Wärme kann sich im oberen Ozean bewegen und beispielsweise in Form äquatorialer Kelvinwellen ostwärts transportiert werden.
3. Die Thermokline wird flacher geneigt
Während El Niño verändert sich die typische Neigung der Thermokline.
Im östlichen Pazifik liegt die Grenze zum kalten Tiefenwasser tiefer als normalerweise. Dadurch kann dort weniger kaltes Wasser bis an die Oberfläche gelangen.
4. Das Upwelling wird geschwächt
Der Auftrieb kalten und nährstoffreichen Tiefenwassers vor Südamerika nimmt ab. Dadurch bleibt das Oberflächenwasser wärmer.
Diese zusätzliche Erwärmung kann die atmosphärischen Veränderungen weiter unterstützen.
5. Die Niederschlagszone verlagert sich
Tropische Gewitter und starke Niederschläge entstehen bevorzugt über besonders warmem Meerwasser.
Wenn sich das warme Wasser während El Niño weiter nach Osten verlagert, verschieben sich deshalb auch Bereiche intensiver Konvektion und Niederschläge in Richtung Zentral- und Ostpazifik.
Die Walker-Zirkulation wird dadurch geschwächt oder deutlich verändert.
6. Ozean und Atmosphäre verstärken die Entwicklung
Hier zeigt sich, warum El Niño nicht durch eine einzige Ursache erklärt werden kann.
Schwächere Passatwinde begünstigen wärmeres Wasser im Ost- und Zentralpazifik. Das wärmere Wasser verändert wiederum Luftdruck, Niederschläge und Windmuster. Diese atmosphärischen Veränderungen können die Passate zusätzlich schwächen.
Es entsteht eine positive Rückkopplung zwischen Ozean und Atmosphäre, die ein El-Niño-Ereignis verstärken kann.
Infografik: Normalzustand und El Niño im Vergleich

Die Grafik zeigt, warum El Niño weit mehr als eine Erwärmung des Meerwassers ist. Ozean und Atmosphäre verändern sich gemeinsam: Passatwinde, Wasserverteilung, Thermokline, Auftrieb und tropische Niederschläge sind miteinander verbunden.
Warum endet El Niño irgendwann wieder?
Die positive Rückkopplung kann ein El-Niño-Ereignis nicht unbegrenzt verstärken.
Während der Entwicklung werden große Mengen Wärme im tropischen Ozean umverteilt. Gleichzeitig entstehen Prozesse, die dem warmen Zustand schließlich entgegenwirken. Veränderungen von Meeresströmungen, Wellen und dem Wärmeinhalt des äquatorialen Pazifiks tragen dazu bei, dass das System wieder in Richtung neutraler Bedingungen oder anschließend sogar in eine La-Niña-Phase übergehen kann.
ENSO ist deshalb kein dauerhafter Zustand, sondern eine natürliche Schwankung des gekoppelten Klimasystems.
Was bedeutet „Southern Oscillation“?
Der Begriff El Niño bezeichnet ursprünglich die ozeanische Seite des Phänomens. Die Southern Oscillation beschreibt die dazugehörigen großräumigen Veränderungen des Luftdrucks in den Tropen.
Besonders bekannt ist der sogenannte Southern Oscillation Index (SOI). Dabei werden Luftdruckunterschiede unter anderem zwischen Tahiti im zentralen Pazifik und Darwin im Norden Australiens betrachtet.
Während El Niño verändert sich diese Ost-West-Druckverteilung typischerweise in eine Richtung, die mit schwächeren Passatwinden verbunden ist. Bei La Niña ist das Muster normalerweise entgegengesetzt.
Die Verbindung dieser atmosphärischen Schwankung mit den Veränderungen der Meerestemperatur führte zum heutigen Begriff El Niño-Southern Oscillation, kurz ENSO.
Wie wird El Niño gemessen?
Wissenschaftler beobachten El Niño nicht anhand einer einzelnen Messstation. Stattdessen werden zahlreiche Daten aus dem tropischen Pazifik kombiniert.
Dazu gehören unter anderem:
- Meeresoberflächentemperaturen
- Temperaturen unterhalb der Meeresoberfläche
- Passatwinde
- Luftdruck
- Niederschläge und Bewölkung
- Meeresströmungen
- Wärmeinhalt des oberen Ozeans
Die Daten stammen unter anderem von Satelliten, Messbojen, Schiffen und autonomen Messsystemen.
Was ist die Niño-3.4-Region?
Eine besonders wichtige Beobachtungsregion liegt im zentralen äquatorialen Pazifik und wird Niño 3.4 genannt.
Sie reicht ungefähr von 5 Grad nördlicher bis 5 Grad südlicher Breite und von 170 Grad westlicher bis 120 Grad westlicher Länge.
Temperaturabweichungen in dieser Region sind ein wichtiger Indikator für die Entwicklung von El Niño und La Niña.
Reicht eine Erwärmung von 0,5 Grad für El Niño?
Nicht ganz. Häufig begegnet man der vereinfachten Aussage, El Niño beginne, sobald die Niño-3.4-Region mindestens 0,5 °C wärmer als normal sei.
Dieser Wert spielt tatsächlich eine wichtige Rolle bei der operationellen Klassifikation. Eine einzelne warme Messung reicht aber nicht aus.
Das US-amerikanische Climate Prediction Center der NOAA verwendet aktuell den Relative Oceanic Niño Index (RONI) als wichtiges Maß für ENSO. Dabei wird die Temperaturabweichung der Niño-3.4-Region relativ zur Erwärmung des tropischen Ozeans betrachtet.
Für El-Niño-Bedingungen verwendet NOAA einen RONI von mindestens +0,5 °C. Gleichzeitig müssen passende atmosphärische Veränderungen vorhanden sein und die Bedingungen müssen voraussichtlich anhalten.
Für die rückblickende Einstufung eines vollständigen historischen Ereignisses verlangt NOAA, dass der Schwellenwert in mindestens fünf aufeinanderfolgenden, überlappenden Dreimonatsperioden erreicht wird.
Wichtig: Es existiert keine einzige Messzahl, die weltweit und bei allen Wetterdiensten allein darüber entscheidet, ob El Niño herrscht. Verschiedene Institutionen verwenden teilweise unterschiedliche Indizes, Datensätze und operationelle Kriterien.
Was ist der Unterschied zwischen RONI und ONI?
Viele ältere Erklärungen beziehen sich auf den Oceanic Niño Index (ONI). Dieser misst die Temperaturabweichung der Niño-3.4-Region gegenüber einem klimatologischen Mittel.
Der neuere Relative Oceanic Niño Index (RONI) berücksichtigt zusätzlich, wie stark sich der tropische Ozean insgesamt gegenüber dem Mittel erwärmt oder abkühlt.
Vereinfacht gesagt soll der RONI besser unterscheiden, ob die Niño-3.4-Region wirklich ungewöhnlich warm im Verhältnis zu den Tropen insgesamt ist.
Das ist besonders in einem sich erwärmenden Klima relevant, weil absolute Temperaturabweichungen allein zunehmend schwieriger zu interpretieren sein können.
Wie oft kommt El Niño vor?
El Niño tritt unregelmäßig etwa alle zwei bis sieben Jahre auf. Es gibt keinen festen Zyklus.
Man kann deshalb nicht zuverlässig sagen: „Alle vier Jahre kommt ein El Niño.“ Zwischen zwei Ereignissen können unterschiedlich lange Zeiträume liegen.
Wie lange dauert El Niño?
Ein typisches El-Niño-Ereignis hält ungefähr neun bis zwölf Monate an. Einzelne Ereignisse können jedoch kürzer oder deutlich länger sein.
Viele El-Niño-Ereignisse entwickeln sich im Laufe des Jahres, verstärken sich im Herbst und erreichen ihre größte Intensität häufig gegen Ende des Kalenderjahres oder im Winter der Nordhalbkugel.
Auch deshalb spielt El Niño für saisonale Klimavorhersagen eine große Rolle.
Warum heißt El Niño eigentlich El Niño?
Der Name stammt aus dem Spanischen. „El Niño“ bedeutet wörtlich „der Junge“ und war in diesem Zusammenhang eine Anspielung auf das Christuskind.
Fischer an der Küste Südamerikas beobachteten schon lange, dass sich das Meer dort zeitweise ungewöhnlich erwärmte. Weil warmes Wasser häufig um die Weihnachtszeit auffiel, wurde es als „El Niño“ bezeichnet.
Ursprünglich meinte der Name also ein regionales Phänomen vor der Küste Perus. Erst später erkannte die Wissenschaft, dass diese Veränderungen Bestandteil eines viel größeren gekoppelten Klimaereignisses im gesamten tropischen Pazifik sind.
Warum hat El Niño Auswirkungen weit außerhalb des Pazifiks?
Der tropische Pazifik ist ein riesiger Wärmespeicher. Wenn sich dort die Verteilung von warmem Wasser und tropischen Niederschlägen verändert, beeinflusst das die Atmosphäre in großem Maßstab.
Die ungewöhnliche Erwärmung verändert Bereiche, in denen besonders viel Wärme und Feuchtigkeit aus dem Ozean in die Atmosphäre gelangen. Dadurch verändern sich Luftdruck- und Zirkulationsmuster.
Diese Veränderungen können sich über sogenannte Telekonnektionen über große Entfernungen fortsetzen und beispielsweise Jetstreams und regionale Niederschlagsmuster beeinflussen.
Deshalb kann ein Ereignis im tropischen Pazifik statistisch mit Dürren, Starkregen oder Temperaturabweichungen in weit entfernten Regionen zusammenhängen.
El Niño ist keine Wetterfernbedienung. Das Phänomen verschiebt Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Wetterlagen. Es bedeutet nicht, dass während jedes El Niño an einem bestimmten Ort zwangsläufig dieselbe Wetterentwicklung eintritt.
Welche Auswirkungen hat El Niño weltweit?
Die Auswirkungen unterscheiden sich stark nach Region, Jahreszeit und Stärke des jeweiligen Ereignisses.
Besonders deutlich sind sie häufig in tropischen Regionen rund um den Pazifik. Typische Auswirkungen können sein:
- stärkere Niederschläge in Teilen des östlichen tropischen Pazifiks und an der Westküste Südamerikas
- trockenere Bedingungen in Teilen Indonesiens und Südostasiens
- veränderte Regenwahrscheinlichkeiten in Australien
- Veränderungen der tropischen Wirbelsturmaktivität
- Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wasserverfügbarkeit
- Veränderungen von Fischerei und Meeresökosystemen
- vorübergehender Einfluss auf die globale Mitteltemperatur
Je weiter eine Region vom tropischen Pazifik entfernt liegt, desto komplexer und häufig auch unsicherer werden die Zusammenhänge.
Welche Auswirkungen hat El Niño auf Peru und Ecuador?
Die Westküste Südamerikas gehört zu den Regionen, in denen El Niño besonders deutlich spürbar sein kann.
Das wärmere Meer und die Verlagerung tropischer Niederschlagsgebiete können in Teilen von Peru und Ecuador die Wahrscheinlichkeit für starke Niederschläge und Überschwemmungen erhöhen.
Wie stark die Auswirkungen sind, hängt allerdings vom jeweiligen El-Niño-Ereignis und von zusätzlichen regionalen Wetter- und Meeresbedingungen ab.
Warum leiden Fischbestände unter El Niño?
Im normalen Zustand gelangt vor der südamerikanischen Westküste durch Upwelling kaltes und nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche.
Während El Niño wird dieser Auftrieb häufig geschwächt. Dadurch gelangen weniger Nährstoffe in die lichtreiche Oberflächenschicht des Meeres.
Das kann die Produktion von Phytoplankton reduzieren. Weil Phytoplankton am Anfang vieler mariner Nahrungsketten steht, können sich die Auswirkungen bis zu Fischen, Seevögeln und Meeressäugern fortsetzen.
Auch die Fischerei kann dadurch erheblich betroffen sein.
Welche Auswirkungen hat El Niño auf Australien und Südostasien?
Während El Niño verlagern sich warmes Wasser und tropische Konvektion häufig vom westlichen Pazifik weiter nach Osten.
Dadurch kann in Teilen Indonesiens, Papua-Neuguineas, Südostasiens und Australiens die Wahrscheinlichkeit für trockenere Bedingungen steigen.
Je nach Region und Jahreszeit kann dies beispielsweise Dürren, Wasserknappheit und ein erhöhtes Risiko für Vegetations- oder Waldbrände begünstigen.
Auch hier gilt jedoch: Nicht jedes El-Niño-Ereignis erzeugt dieselben regionalen Folgen.
Wie beeinflusst El Niño Hurrikane?
El Niño kann die Aktivität tropischer Wirbelstürme verändern – und zwar je nach Ozeanbecken in unterschiedliche Richtungen.
Atlantik
Im tropischen Atlantik führt El Niño typischerweise zu stärkerer vertikaler Windscherung. Das bedeutet, dass sich Windrichtung und Windgeschwindigkeit mit der Höhe stärker verändern.
Diese Windscherung kann die Organisation tropischer Gewittersysteme stören. Dadurch sind die Bedingungen für die Entstehung und Verstärkung von Hurrikanen während El-Niño-Jahren im Atlantik häufig weniger günstig.
Östlicher und zentraler Pazifik
Im östlichen und zentralen Pazifik können El-Niño-Bedingungen dagegen die Entstehung tropischer Wirbelstürme begünstigen.
Auch das ist jedoch eine statistische Tendenz. Die tatsächliche Aktivität einer Hurrikan- oder Taifunsaison hängt von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Hat El Niño Auswirkungen auf Deutschland?
Ja, grundsätzlich sind Fernwirkungen bis nach Europa möglich – aber der Zusammenhang ist für Deutschland deutlich schwächer und unsicherer als in vielen tropischen Regionen.
Zwischen dem tropischen Pazifik und Europa liegen mehrere atmosphärische Zirkulationssysteme, die sich gegenseitig beeinflussen. Der Effekt von El Niño kann deshalb durch andere Faktoren verstärkt, abgeschwächt oder vollständig überlagert werden.
Aus einem El-Niño-Ereignis lässt sich daher nicht zuverlässig ableiten, ob Deutschland einen warmen, kalten, trockenen oder nassen Winter bekommt.
Für Deutschland ist El Niño deshalb eher ein Einflussfaktor unter vielen und keine direkte saisonale Wettervorhersage.
Wie wirkt sich El Niño auf Europa aus?
Auch für Europa sind die Zusammenhänge komplex.
El Niño kann großräumige atmosphärische Wellen und die Lage von Jetstreams beeinflussen. Über verschiedene Zwischenschritte können dadurch auch Zirkulationsmuster über dem Nordatlantik und Europa verändert werden.
Statistische Untersuchungen zeigen zwar Zusammenhänge für bestimmte Regionen und Jahreszeiten, diese sind aber wesentlich weniger robust als beispielsweise die Effekte rund um den tropischen Pazifik.
Die konkrete europäische Wetterentwicklung hängt gleichzeitig von zahlreichen anderen Faktoren ab, darunter die nordatlantische und arktische Zirkulation, Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik, die Stratosphäre und die jeweils aktuelle Wetterlage.
Macht El Niño die Erde wärmer?
El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend erhöhen.
Während eines starken El Niño gibt der tropische Pazifik besonders viel Wärme an die Atmosphäre ab. Dadurch kann die globale Mitteltemperatur zusätzlich ansteigen.
Der Effekt ist zeitlich begrenzt und kann sich mit Verzögerung besonders deutlich zeigen. Deshalb treten außergewöhnlich warme globale Jahre häufig während oder kurz nach einem starken El-Niño-Ereignis auf.
Das bedeutet jedoch nicht, dass El Niño die langfristige globale Erwärmung verursacht.
Ist El Niño eine Folge des Klimawandels?
Nein. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen und trat bereits lange vor der heutigen menschengemachten globalen Erwärmung auf.
Der Klimawandel und El Niño wirken auf unterschiedlichen Zeitskalen:
- Der menschengemachte Klimawandel erhöht langfristig die Durchschnittstemperatur der Erde.
- ENSO erzeugt natürliche Schwankungen von Jahr zu Jahr.
Beide Effekte können gleichzeitig auftreten. Ein El Niño findet heute deshalb in einem insgesamt wärmeren Klimasystem statt als noch vor mehreren Jahrzehnten.
Anschaulich könnte man sagen: Der Klimawandel hebt die Grundlinie an, während El Niño für zusätzliche natürliche Ausschläge sorgt.
Wird El Niño durch den Klimawandel stärker?
Diese Frage lässt sich wissenschaftlich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.
Klimamodelle zeigen weiterhin große Unsicherheiten darüber, wie sich die Stärke der ENSO-bedingten Schwankungen der Meeresoberflächentemperatur im Laufe dieses Jahrhunderts verändern wird.
Deutlich belastbarer ist eine andere Aussage: Der Weltklimarat IPCC bewertet es als sehr wahrscheinlich, dass die mit ENSO verbundenen Niederschlagsschwankungen in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zunehmen.
Das bedeutet vereinfacht: Selbst wenn nicht eindeutig feststeht, dass die Temperaturanomalien jedes El Niño grundsätzlich stärker werden, können die damit verbundenen Unterschiede bei Niederschlägen in einer wärmeren Atmosphäre ausgeprägter ausfallen.
Die pauschale Aussage „Der Klimawandel macht jeden El Niño stärker“ wäre deshalb zu einfach.
Was ist La Niña?
La Niña ist die kalte Phase von ENSO und weist in vielen Punkten ein entgegengesetztes Muster zu El Niño auf.
Während La Niña sind die östlichen Passatwinde im tropischen Pazifik typischerweise stärker als normal. Dadurch wird mehr warmes Oberflächenwasser nach Westen transportiert.
Im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik ist die Meeresoberfläche ungewöhnlich kühl und der Auftrieb kalten Wassers vor Südamerika wird verstärkt.
El Niño und La Niña im Vergleich
| Merkmal | El Niño | La Niña |
|---|---|---|
| Zentraler und östlicher tropischer Pazifik | wärmer als üblich | kühler als üblich |
| Passatwinde | typischerweise schwächer | typischerweise stärker |
| Warmes Oberflächenwasser | verlagert sich weiter nach Osten | wird stärker nach Westen gedrückt |
| Thermokline im Ostpazifik | liegt tiefer | liegt flacher |
| Upwelling vor Südamerika | schwächer | stärker |
| Tropische Regenzone | stärker nach Osten verlagert | stärker im Westpazifik konzentriert |
| ENSO-Phase | warm | kalt |
Diese Tabelle zeigt typische Muster. Einzelne Ereignisse können davon in Details abweichen.
Kann El Niño vorhergesagt werden?
Ja, zumindest mehrere Monate im Voraus lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer El-Niño-Entwicklung häufig abschätzen.
Dafür verwenden Wetter- und Klimadienste Beobachtungsdaten und gekoppelte Ozean-Atmosphäre-Modelle.
Besonders hilfreich ist, dass Veränderungen unterhalb der Meeresoberfläche teilweise schon erkennbar sind, bevor die Auswirkungen an der Oberfläche vollständig ausgeprägt sind.
Vorhersagen geben jedoch keine Gewissheit. Sie beschreiben Wahrscheinlichkeiten für El Niño, La Niña oder neutrale Bedingungen.
Warum sind ENSO-Vorhersagen im Frühjahr schwieriger?
Eine bekannte Herausforderung ist die sogenannte Spring Predictability Barrier.
Vorhersagen, die während des Frühlings der Nordhalbkugel weit in die Zukunft reichen, sind häufig weniger zuverlässig. In dieser Jahreszeit können relativ kleine Unterschiede in Ozean und Atmosphäre darüber entscheiden, wie sich ENSO später im Jahr entwickelt.
Mit zunehmender Nähe zum Herbst und Winter lässt sich die Entwicklung häufig besser eingrenzen.
Sind alle El-Niño-Ereignisse gleich?
Nein. El Niño kann von Ereignis zu Ereignis sehr unterschiedlich aussehen.
Manchmal liegt die stärkste Erwärmung besonders weit im Osten vor Südamerika. Bei anderen Ereignissen konzentriert sie sich stärker im zentralen Pazifik.
Auch die Stärke, räumliche Ausdehnung und Dauer unterscheiden sich.
Deshalb können zwei El-Niño-Ereignisse trotz derselben grundlegenden ENSO-Phase unterschiedliche Auswirkungen auf das globale Wetter haben.
Welche besonders starken El-Niño-Ereignisse gab es?
Zu den häufig genannten starken El-Niño-Ereignissen der modernen Beobachtungszeit gehören unter anderem:
- 1982/83
- 1997/98
- 2015/16
- 2023/24
Eine einfache Rangliste ist allerdings problematisch. Die Stärke eines El Niño kann mit unterschiedlichen Indizes und für unterschiedliche Regionen des tropischen Pazifiks bewertet werden.
Ein Ereignis kann beispielsweise besonders starke Temperaturabweichungen im östlichen Pazifik zeigen, während ein anderes im zentralen Pazifik stärker ausgeprägt ist.
Kann El Niño Naturkatastrophen verursachen?
El Niño kann das Risiko bestimmter Extremereignisse erhöhen, ist aber selten die einzige Ursache einer konkreten Katastrophe.
Wenn sich beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für außergewöhnlich starke Niederschläge erhöht, kann dies Überschwemmungen oder Erdrutsche begünstigen. In Regionen mit erhöhter Trockenheitswahrscheinlichkeit können dagegen Dürre und Brandgefahr zunehmen.
Ob daraus tatsächlich eine Katastrophe entsteht, hängt zusätzlich von zahlreichen Faktoren ab – etwa der Stärke des Wetterereignisses, Bodenfeuchte, Gelände, Infrastruktur und gesellschaftlicher Verwundbarkeit.
Beeinflusst El Niño die Landwirtschaft?
Ja. Veränderungen von Niederschlag und Temperatur können für die Landwirtschaft erhebliche Folgen haben.
Dürre kann Ernten schädigen, während ungewöhnlich starke Niederschläge Felder überfluten oder die Aussaat und Ernte erschweren können.
Da El Niño verschiedene bedeutende Agrarregionen der Erde gleichzeitig beeinflussen kann, sind indirekt auch Auswirkungen auf internationale Rohstoffmärkte und Lebensmittelpreise möglich.
Die Folgen unterscheiden sich allerdings stark nach Nutzpflanze, Region und konkretem El-Niño-Ereignis.
Hat El Niño auch positive Auswirkungen?
Die Auswirkungen von El Niño sind nicht überall negativ.
Eine Region, die normalerweise unter Wassermangel leidet, kann beispielsweise von zusätzlichen Niederschlägen profitieren. In anderen Regionen kann eine geringere tropische Wirbelsturmaktivität bestimmte Risiken reduzieren.
Ob El Niño als positiv oder negativ erlebt wird, hängt daher stark vom Ort und vom jeweiligen Wetterverlauf ab.
Häufige Fragen zu El Niño
Ist El Niño Wetter oder Klima?
El Niño ist ein Klimaphänomen. Es verändert über Monate hinweg die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetterlagen. Einzelne Stürme, Regenfälle oder Hitzewellen sind dagegen Wetterereignisse.
Ist El Niño ein Meeresstrom?
Nicht im heutigen wissenschaftlichen Sinn. Der Begriff wurde historisch zwar für ungewöhnlich warmes Wasser vor Südamerika verwendet, heute bezeichnet El Niño jedoch einen großräumigen gekoppelten Zustand von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik.
Ist El Niño jedes Jahr?
Nein. El Niño tritt unregelmäßig auf, typischerweise in Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren.
Ist El Niño immer stark?
Nein. Es gibt schwache, moderate und starke Ereignisse. Stärke und räumliche Ausprägung können sich erheblich unterscheiden.
Kann El Niño einen heißen Sommer in Deutschland verursachen?
Eine direkte Aussage dieser Art ist nicht möglich. Der Einfluss von ENSO auf Deutschland ist vergleichsweise indirekt und kann von anderen großräumigen Zirkulationsmustern überlagert werden.
Ist La Niña einfach das Gegenteil von El Niño?
In vielen grundlegenden Merkmalen ja: La Niña ist die kalte ENSO-Phase mit stärkeren Passatwinden und stärkerem Upwelling im Ostpazifik. Die weltweiten Auswirkungen sind jedoch nicht überall exakt spiegelbildlich.
Kann man schon Monate vorher wissen, ob El Niño kommt?
Häufig lässt sich die Wahrscheinlichkeit mehrere Monate vorher abschätzen. Die Unsicherheit ist jedoch je nach Jahreszeit und Ausgangslage unterschiedlich groß.
Was ist stärker: El Niño oder La Niña?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Phasen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und erhebliche regionale Auswirkungen haben.
Fazit: El Niño ist ein Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre
El Niño ist die warme Phase der El Niño-Southern Oscillation und eines der wichtigsten natürlichen Klimaphänomene der Erde.
Der Ausgangspunkt liegt im tropischen Pazifik: Die Passatwinde schwächen sich ab, warmes Oberflächenwasser breitet sich weiter nach Osten aus, die Thermokline verändert sich und vor Südamerika steigt weniger kaltes Tiefenwasser auf. Gleichzeitig verschieben sich Luftdruck, Walker-Zirkulation und tropische Niederschlagsgebiete.
Diese Veränderungen können über atmosphärische Fernwirkungen Wettermuster in vielen Teilen der Welt beeinflussen. Besonders deutlich sind die Zusammenhänge rund um den tropischen Pazifik. Für Europa und Deutschland sind sie dagegen wesentlich indirekter und weniger zuverlässig.
El Niño ist außerdem nicht die Ursache des menschengemachten Klimawandels. Es handelt sich um eine natürliche Klimaschwankung, die heute allerdings auf einem durch Treibhausgase erhöhten globalen Temperaturniveau stattfindet.
Genau deshalb ist El Niño so interessant: Eine Veränderung von Winden und Wasser in einem Teil des Pazifiks kann das gekoppelte Klimasystem so stark beeinflussen, dass ihre Folgen noch Tausende Kilometer entfernt messbar sein können.
Quellen
- NOAA: El Niño/Southern Oscillation (ENSO)
- NOAA: El Niño & La Niña
- NOAA Pacific Marine Environmental Laboratory: What is El Niño?
- NOAA Climate Prediction Center: ENSO – Recent Evolution, Current Status and Predictions
- NOAA National Centers for Environmental Information: ENSO Monitoring
- NOAA AOML: How does El Niño Impact Atlantic Hurricane Season?
- World Meteorological Organization: Prepare for El Niño
- Deutscher Wetterdienst: El Niño und La Niña
- IPCC AR6 Working Group I, Chapter 4: Future Global Climate






