Ja, es gibt fliegende Fische. Genau genommen fliegen sie allerdings nicht wie Vögel. Sie schießen mit hoher Geschwindigkeit aus dem Wasser und gleiten anschließend mit ihren stark vergrößerten Brustflossen durch die Luft. Die eigentlichen fliegenden Fische gehören zur Familie der Exocoetidae und leben vor allem in warmen Meeren.
Unter günstigen Bedingungen können sie erstaunlich weit über die Wasseroberfläche gleiten. Ihre besondere Fortbewegung dient wahrscheinlich vor allem dazu, Räubern im Meer zu entkommen.
Fliegen fliegende Fische wirklich?
Im alltäglichen Sprachgebrauch schon – biologisch genauer handelt es sich aber um einen Gleitflug.
Vögel und Fledermäuse erzeugen während des Fliegens durch Flügelschläge immer wieder neuen Vortrieb. Fliegende Fische machen das nicht. Ihre Energie für den Flug stammt zunächst aus dem Wasser.
Der Fisch beschleunigt beim Schwimmen, verlässt mit hoher Geschwindigkeit die Oberfläche und breitet anschließend seine großen Brustflossen aus. Diese wirken in der Luft ähnlich wie Tragflächen. Während des eigentlichen Gleitens bleiben sie weitgehend ausgestreckt und werden nicht wie Vogelflügel auf- und abgeschlagen.
Der Unterschied ähnelt vereinfacht dem zwischen einem Motorflugzeug und einem Segelflugzeug: Nach dem Start gleitet der Fisch mit der vorhandenen Geschwindigkeit weiter. Wie Tragflächen grundsätzlich Auftrieb erzeugen, erklären wir auch im Artikel Warum können Flugzeuge fliegen?.
Wie kommt ein fliegender Fisch aus dem Wasser?
Der Übergang vom Schwimmen zum Gleiten geschieht in mehreren Schritten.
- Der Fisch beschleunigt unter Wasser. Körper und Schwanzflosse erzeugen den nötigen Vortrieb.
- Er schwimmt schräg zur Oberfläche. Kopf und Körper verlassen das Wasser.
- Der Schwanz liefert noch zusätzlichen Schub. Besonders der verlängerte untere Teil der Schwanzflosse kann die Wasseroberfläche noch berühren, obwohl sich ein großer Teil des Fisches bereits darüber befindet.
- Die großen Brustflossen werden ausgebreitet. Sie bilden die wichtigsten Tragflächen.
- Der Fisch gleitet über das Meer. Mit sinkender Geschwindigkeit nähert er sich wieder der Oberfläche.
Manche fliegenden Fische können ihre Strecke anschließend verlängern. Kurz bevor sie vollständig ins Wasser zurückfallen, taucht der untere Teil der Schwanzflosse erneut ein. Durch schnelle Schwanzschläge gewinnt der Fisch wieder Geschwindigkeit und beginnt einen weiteren Gleitabschnitt.
Diese Phase wird in der Fachliteratur als taxiing bezeichnet.
Warum haben fliegende Fische so große Flossen?
Die auffälligste Anpassung sind die stark vergrößerten Brustflossen. Sie besitzen eine große Oberfläche und können während des Gleitens aerodynamischen Auftrieb erzeugen.
Bei manchen Arten sind zusätzlich die Bauchflossen deutlich vergrößert. Deshalb unterscheidet man vereinfacht zwischen zwei Bauformen:
- „Zweiflügler“: Vor allem die beiden großen Brustflossen bilden die Gleitfläche.
- „Vierflügler“: Zusätzlich sind die beiden Bauchflossen stark vergrößert und tragen zur Stabilisierung und zum Auftrieb bei.
Auch die Schwanzflosse unterscheidet sich von der vieler anderer Fische. Ihr unterer Lappen ist deutlich länger als der obere. Dadurch kann der Fisch an der Wasseroberfläche noch kräftige Schwanzschläge ausführen, während der restliche Körper bereits darüber liegt.
Diese Merkmale sind also kein Zufall: Körperform, Flossen und Schwanz arbeiten beim Übergang vom Wasser in die Luft zusammen.
Schlagen fliegende Fische in der Luft mit den Flossen?
Nein. Das ist eines der häufigsten Missverständnisse.
Die Brustflossen werden während des eigentlichen Gleitens weitgehend starr gehalten. Sie funktionieren als Tragflächen und nicht als aktiv schlagende Flügel.
Von Weitem kann der Start trotzdem so aussehen, als würde der Fisch „flattern“. Das liegt vor allem an den schnellen Bewegungen des Körpers und der Schwanzflosse unmittelbar an der Wasseroberfläche.
Sobald sich der Fisch vollständig in der Luft befindet, entsteht kein neuer Vortrieb durch Flossenschläge. Luftwiderstand bremst ihn deshalb allmählich ab, bis er wieder Richtung Wasser sinkt.
Wie weit können fliegende Fische fliegen?
Die mögliche Strecke hängt unter anderem von Art, Größe, Startgeschwindigkeit, Wind und Wellengang ab.
Das Smithsonian Tropical Research Institute beschreibt Gleitstrecken von etwa 200 bis 300 Metern. In wissenschaftlichen Arbeiten werden bei einer Folge aus mehreren Gleitphasen und erneuten Schwanzkontakten mit dem Wasser sogar Gesamtstrecken von bis zu ungefähr 400 Metern genannt.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder fliegende Fisch bei jedem Sprung mehrere Hundert Meter zurücklegt. Viele Gleitflüge sind wesentlich kürzer.
Auch eine scheinbar exakte „Rekordweite“ ist mit Vorsicht zu betrachten: Manche Angaben messen einen einzigen freien Gleitabschnitt, andere die gesamte Strecke aus mehreren aufeinanderfolgenden Gleitphasen.
Wie schnell sind fliegende Fische?
Für den Gleitflug benötigen die Tiere eine hohe Ausgangsgeschwindigkeit. Wissenschaftliche Arbeiten nennen während des Flugs Größenordnungen von ungefähr 10 bis 20 Metern pro Sekunde. Das entspricht etwa 36 bis 72 Kilometern pro Stunde.
Diese Geschwindigkeit nimmt während des freien Gleitens wieder ab. Der Fisch besitzt schließlich keinen Motor und erzeugt in der Luft keinen dauerhaften eigenen Schub.
Die Flugbahn verläuft meist relativ flach und dicht über dem Meer. Das ist aerodynamisch günstig: Untersuchungen zeigen, dass die Nähe zur Wasseroberfläche den Luftwiderstand verringern und die Gleitwirkung verbessern kann.
Warum fliegen Fische überhaupt?
Als wichtigste Erklärung gilt die Flucht vor Fressfeinden.
Ein kleiner Fisch, der von einem schnellen Räuber verfolgt wird, hat im Wasser nur begrenzte Möglichkeiten. Verlässt er plötzlich die Oberfläche und gleitet einige Dutzend oder Hundert Meter durch die Luft, kann der Verfolger nicht einfach auf derselben Bahn weiterschwimmen.
Das macht den Gleitflug zu einer ungewöhnlichen Fluchtstrategie.
Vollkommen sicher ist sie allerdings nicht. Seevögel können fliegende Fische während des Gleitens erbeuten, und Räuber im Wasser können versuchen, den Fisch nach seiner Rückkehr ins Meer erneut zu verfolgen.
In der Fachliteratur wurden neben der Flucht vor Räubern auch energetische Vorteile der Fortbewegung diskutiert. Welche evolutionären Faktoren bei der Entstehung des Gleitens genau die entscheidende Rolle gespielt haben, lässt sich nicht auf einen einzigen sicher bewiesenen Grund reduzieren.
Wo leben fliegende Fische?
Fliegende Fische leben vor allem in warmen tropischen und subtropischen Meeren. Die Familie Exocoetidae ist in großen Teilen des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans verbreitet.
Viele Arten leben im offenen Meer nahe der Oberfläche. Dort können sie schnell beschleunigen und ohne Hindernisse aus dem Wasser gleiten.
Das Smithsonian beschreibt die Familie als typische Bewohner des offenen Meeres, die teilweise auch in der Nähe tiefer Gewässer an äußeren Riffbereichen vorkommen.
Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Fischart. Die Exocoetidae umfassen zahlreiche Arten und mehrere Gattungen. Aktuelle taxonomische Datenbanken führen mehrere Dutzend verschiedene Arten.
Was fressen fliegende Fische?
Viele fliegende Fische ernähren sich überwiegend von kleinen Organismen des Planktons.
Ihre Nahrung suchen sie im Wasser. Der Gleitflug dient nicht dazu, über der Meeresoberfläche Insekten oder andere Beute zu jagen.
Auch sonst bleiben fliegende Fische trotz ihrer ungewöhnlichen Fortbewegung ganz normale Fische: Sie leben, fressen und vermehren sich im Wasser und atmen mit Kiemen.
Sind ihre „Flügel“ echte Flügel?
Nein. Anatomisch handelt es sich weiterhin um Fischflossen.
Sie erfüllen während des Gleitens zwar eine ähnliche Funktion wie die Flügel eines Vogels oder die Tragflächen eines Flugzeugs, entstanden aber aus völlig anderen anatomischen Strukturen.
Biologen sprechen bei solchen ähnlichen Lösungen für ähnliche Aufgaben von einer funktionellen Anpassung. Die großen Brustflossen wurden im Verlauf der Evolution für das Gleiten besonders geeignet.
Können fliegende Fische dauerhaft in der Luft bleiben?
Nein. Ohne neuen Schub verlieren sie während des Gleitens kontinuierlich Geschwindigkeit.
Irgendwann reicht der aerodynamische Auftrieb nicht mehr aus und der Fisch sinkt wieder zur Wasseroberfläche.
Durch erneuten Kontakt der Schwanzflosse mit dem Wasser kann er seine Gleitstrecke manchmal verlängern. Ein dauerhafter Flug wie bei einem Vogel ist jedoch nicht möglich.
Häufige Fragen zu fliegenden Fischen
Gibt es wirklich Fische, die fliegen können?
Ja. Die Familie Exocoetidae wird als fliegende Fische bezeichnet. Sie fliegt allerdings nicht mit aktiven Flügelschlägen, sondern gleitet nach einem schnellen Start aus dem Wasser durch die Luft.
Wie weit kann ein fliegender Fisch fliegen?
Gleitstrecken von etwa 200 bis 300 Metern sind beschrieben. Durch mehrere aufeinanderfolgende Gleitphasen mit erneutem Schwanzschub an der Wasseroberfläche können noch größere Gesamtstrecken erreicht werden.
Warum springen fliegende Fische aus dem Wasser?
Der Gleitflug wird vor allem als Fluchtstrategie vor Fressfeinden interpretiert. Ein schneller Wechsel vom Wasser in die Luft kann einen angreifenden Räuber abschütteln.
Schlagen fliegende Fische mit ihren Flossen?
Während des eigentlichen Gleitens nicht. Die großen Brustflossen werden ausgebreitet und weitgehend starr gehalten. Den nötigen Schub erzeugen Schwimmbewegungen und die Schwanzflosse im Wasser.
Wo gibt es fliegende Fische?
Sie kommen vor allem in tropischen und subtropischen Bereichen des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans vor und leben häufig nahe der Oberfläche des offenen Meeres.
Die Antwort auf den Punkt gebracht
Fliegende Fische gibt es tatsächlich. Ihre Bezeichnung ist allerdings etwas vereinfacht: Sie betreiben keinen aktiven Flug wie Vögel, sondern einen hoch spezialisierten Gleitflug.
Sie beschleunigen im Wasser, schießen durch die Oberfläche und nutzen ihre stark vergrößerten Brustflossen als Tragflächen. Der verlängerte untere Teil der Schwanzflosse kann ihnen an der Wasseroberfläche zusätzlichen Schub geben. So können manche Arten unter günstigen Bedingungen mehrere Hundert Meter über das Meer gleiten.
Diese Fähigkeit ist wahrscheinlich vor allem eine Fluchtstrategie gegen Fressfeinde – und eine der ungewöhnlichsten Formen der Fortbewegung bei Fischen.






