Als Erfinder des modernen Automobils gilt Carl Benz. Er entwickelte 1885 seinen dreirädrigen Patent-Motorwagen und meldete das „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ am 29. Januar 1886 zum Patent an. Dieses Datum gilt heute als ein wichtiger Ausgangspunkt der Automobilgeschichte.
Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings nicht. Selbstfahrende Straßenfahrzeuge gab es bereits vorher, etwa mit Dampfantrieb. Gleichzeitig arbeiteten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach an eigenen Motorfahrzeugen. Das Auto entstand deshalb nicht durch einen einzigen Geistesblitz, sondern aus mehreren technischen Entwicklungen.
Warum gilt Carl Benz als Erfinder des Autos?
Der entscheidende Unterschied zwischen Carl Benz und vielen früheren Konstrukteuren war sein Fahrzeugkonzept.
Benz nahm nicht einfach eine vorhandene Pferdekutsche und setzte einen Motor hinein. Er entwickelte Motor, Fahrgestell, Kraftübertragung und Fahrzeug gemeinsam als zusammengehöriges System.
Sein Patent-Motorwagen besaß drei Räder, einen leichten Stahlrohrrahmen, einen Einzylinder-Viertaktmotor und einen Antrieb auf die Hinterräder.
Das Deutsche Patent- und Markenamt bezeichnet den Benz-Motorwagen deshalb als erstes funktionsfähiges Automobil mit Verbrennungsmotor. Das Patent mit der Nummer 37435 gilt vielfach als „Geburtsurkunde des Automobils“.
Auch die UNESCO stuft die Patentschrift als historisch so bedeutend ein, dass sie in das internationale Register „Memory of the World“ aufgenommen wurde.
Wann wurde das erste Auto gebaut?
Carl Benz stellte seinen ersten Patent-Motorwagen 1885 fertig. Am 29. Januar 1886 meldete er seine Konstruktion beim Kaiserlichen Patentamt an.
Im Sommer 1886 wurde das Fahrzeug auch öffentlich vorgeführt.
Deshalb wird häufig 1886 als Geburtsjahr des modernen Automobils genannt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass vor diesem Datum noch nie ein Fahrzeug ohne Pferd gefahren wäre. Die Frage hängt davon ab, was man unter einem „Auto“ versteht.
Gab es vor Carl Benz schon selbstfahrende Fahrzeuge?
Ja.
Bereits lange vor dem Benz-Motorwagen experimentierten Erfinder mit Fahrzeugen, die sich aus eigener Kraft fortbewegen konnten.
Besonders bekannt ist der französische Ingenieur Nicolas-Joseph Cugnot. Er entwickelte um 1770 ein dreirädriges Fahrzeug mit Dampfantrieb.
Auch im 19. Jahrhundert entstanden weitere Dampfwagen.
Diese Fahrzeuge zeigen, warum die Aussage „Carl Benz baute das allererste selbstfahrende Fahrzeug“ nicht korrekt wäre.
Die älteren Maschinen hatten allerdings erhebliche praktische Nachteile. Dampfmaschinen waren schwer, benötigten Kessel, Wasser und Brennstoff und mussten vor der Fahrt zunächst Dampf erzeugen.
Der leichte Verbrennungsmotor eröffnete Ende des 19. Jahrhunderts völlig neue Möglichkeiten für kleine Straßenfahrzeuge.
Was war am Benz Patent-Motorwagen besonders?
Aus heutiger Sicht wirkt der Patent-Motorwagen eher wie eine Mischung aus Fahrrad und Kutsche als wie ein Pkw.
Trotzdem enthielt er bereits viele technische Elemente eines echten Motorfahrzeugs.
- einen eigenen Verbrennungsmotor,
- ein speziell dafür konstruiertes Fahrgestell,
- eine Kraftübertragung zu den Antriebsrädern,
- eine Lenkung,
- eine Bremse,
- und ein System zur Versorgung des Motors mit Kraftstoff.
Der Wagen besaß einen Einzylinder-Viertaktmotor mit knapp einem Liter Hubraum. Das Deutsche Museum gibt für den erhaltenen Patent-Motorwagen eine Leistung von etwa 0,88 PS und eine reale Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 12 km/h an.
Das klingt heute langsam. Entscheidend war jedoch nicht die Geschwindigkeit, sondern dass ein relativ leichtes Straßenfahrzeug zuverlässig durch einen Verbrennungsmotor bewegt werden konnte.
Warum hatte das erste Auto drei Räder?
Carl Benz entschied sich bewusst für ein dreirädriges Fahrzeug.
Eine sichere Lenkung für vierrädrige Fahrzeuge war damals technisch keineswegs selbstverständlich. Mit nur einem gelenkten Vorderrad ließ sich dieses Problem wesentlich einfacher lösen.
Der Benz-Motorwagen hatte deshalb vorne ein einzelnes Rad und hinten zwei angetriebene Räder.
Erst später entwickelte Benz auch vierrädrige Fahrzeuge. 1893 führte sein Unternehmen mit dem Benz Victoria ein vierrädriges Automobil mit einer verbesserten Achsschenkellenkung ein.
Welche Rolle spielten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach?
Während Carl Benz in Mannheim an seinem Motorwagen arbeitete, entwickelten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach im Raum Stuttgart unabhängig davon leichte, schnelllaufende Verbrennungsmotoren.
Ihr Ziel war nicht zunächst ein bestimmtes Auto, sondern ein kompakter Motor, der unterschiedliche Fahrzeuge antreiben konnte.
1885 bauten sie einen solchen Motor in den sogenannten Reitwagen ein, ein zweirädriges Versuchsfahrzeug.
1886 folgte eine motorisierte vierrädrige Kutsche. Sie gilt als eines der ersten vierrädrigen Automobile mit Verbrennungsmotor.
Der Unterschied zur Konstruktion von Benz ist interessant: Benz entwickelte sein Fahrzeug von Grund auf als Motorwagen. Daimler und Maybach motorisierten zunächst eine vorhandene Kutschenbauform.
Beide Entwicklungslinien waren für die weitere Automobilgeschichte von großer Bedeutung.
Haben Carl Benz und Gottlieb Daimler zusammengearbeitet?
Nein.
Obwohl ihre Namen heute durch Mercedes-Benz eng miteinander verbunden sind, entwickelten Benz und Daimler ihre Fahrzeuge unabhängig voneinander.
Carl Benz arbeitete in Mannheim, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach im Raum Stuttgart.
Ihre Unternehmen wurden erst Jahrzehnte später miteinander verbunden. 1926 fusionierten Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft zur Daimler-Benz AG.
Welche Rolle spielte Bertha Benz?
Für den Erfolg des Motorwagens war Bertha Benz außerordentlich wichtig.
Im August 1888 fuhr sie gemeinsam mit ihren Söhnen Eugen und Richard von Mannheim nach Pforzheim – eine Strecke von ungefähr 100 Kilometern.
Eine solche Reise mit einem Automobil hatte zuvor niemand unternommen.
Die Fahrt war mehr als eine spektakuläre Familiengeschichte. Sie zeigte öffentlich, dass ein Motorwagen nicht nur wenige Meter auf einem Versuchsgelände fahren konnte, sondern tatsächlich für längere Strecken geeignet war.
Unterwegs musste Bertha Benz improvisieren. Kraftstoff war nicht an Tankstellen erhältlich, denn Tankstellen existierten noch nicht. Sie beschaffte Ligroin, ein leichtes Benzin, unter anderem in einer Apotheke.
Technische Schwächen des Fahrzeugs wurden auf der Reise ebenfalls deutlich. Die Erfahrungen halfen bei der weiteren Verbesserung des Motorwagens.
Bertha Benz war zudem finanziell an den frühen Unternehmungen ihres Mannes beteiligt. Ihre Rolle beschränkte sich also nicht auf die berühmte Fernfahrt.
War Bertha Benz die erste Autofahrerin?
Sie war nicht die erste Person, die jemals einen Motorwagen bewegte. Carl Benz selbst hatte sein Fahrzeug zuvor getestet und öffentlich vorgeführt.
Bertha Benz unternahm aber die erste längere Reise mit einem Automobil.
Deshalb gilt ihre Fahrt von Mannheim nach Pforzheim als erste Fernfahrt der Automobilgeschichte.
Sie trug entscheidend dazu bei, den Motorwagen öffentlich als tatsächlich nutzbares Verkehrsmittel bekannt zu machen.
Wie wurde der erste Wagen betankt?
Eine moderne Tankstelle gab es 1888 noch nicht.
Der Benz-Motorwagen verwendete einen leichten Kraftstoff, der als Ligroin bezeichnet wurde. Solche Flüssigkeiten wurden damals unter anderem als Reinigungs- oder Lösungsmittel verkauft und waren deshalb beispielsweise in Apotheken erhältlich.
Bertha Benz kaufte während ihrer Reise in Wiesloch Ligroin in einer Apotheke.
Die Geschichte zeigt ein grundsätzliches Problem neuer Technik: Ein Fahrzeug allein reicht nicht. Erst später entstanden Tankstellen, Werkstätten, Verkehrsregeln und ein Straßennetz, das sich immer stärker am motorisierten Verkehr orientierte.
Hat Henry Ford das Auto erfunden?
Nein.
Das ist eines der häufigsten Missverständnisse der Automobilgeschichte.
Henry Ford wurde erst 1863 geboren. Zu dem Zeitpunkt gab es bereits Experimente mit selbstfahrenden Straßenfahrzeugen, und als Ford sein Unternehmen gründete, wurden Automobile längst verkauft.
Seine große historische Leistung lag an anderer Stelle.
Ford brachte 1908 das Model T auf den Markt und entwickelte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Produktionsmethoden weiter, mit denen Autos wesentlich schneller und günstiger hergestellt werden konnten.
1913 führte Ford in seinem Werk in Highland Park die bewegte Montagelinie in der Automobilproduktion ein.
Dadurch sank die benötigte Montagezeit drastisch. Automobile konnten in viel größeren Stückzahlen produziert und für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglicher werden.
Henry Ford erfand also nicht das Auto. Er spielte aber eine entscheidende Rolle dabei, aus dem Auto ein industrielles Massenprodukt zu machen.
Warum setzte sich ausgerechnet der Benzinmotor durch?
Um 1900 war keineswegs sicher, dass Autos mit Benzinmotor einmal den Markt dominieren würden.
Dampfwagen waren weiterhin verbreitet, und auch Elektroautos spielten in der frühen Automobilgeschichte eine bedeutende Rolle.
Verbrennungsmotoren wurden jedoch schnell leistungsfähiger, leichter und zuverlässiger. Gleichzeitig ließ sich flüssiger Kraftstoff relativ einfach transportieren und in kurzer Zeit nachfüllen.
Mit wachsender Infrastruktur, besseren Straßen und immer günstigeren Fahrzeugen setzte sich der Benzinmotor schließlich auf vielen Märkten durch.
Später kamen Dieselmotoren im Straßenverkehr hinzu. Wie sich die beiden Kraftstoffe und Motorprinzipien unterscheiden, erklären wir im Artikel Was ist der Unterschied zwischen Diesel und Benzin?.
Wer hat das Auto nun wirklich erfunden?
Die Antwort hängt davon ab, welche technische Stufe gemeint ist.
| Entwicklung | Personen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Frühes selbstfahrendes Straßenfahrzeug | Nicolas-Joseph Cugnot | Dampfwagen um 1770 |
| Modernes Automobil mit Verbrennungsmotor | Carl Benz | Patent-Motorwagen, Patent von 1886 |
| Frühes vierrädriges Automobil mit Verbrennungsmotor | Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach | Motorisierte Kutsche von 1886 |
| Nachweis der Alltagstauglichkeit | Bertha Benz | Erste automobile Fernfahrt 1888 |
| Automobil als industrielles Massenprodukt | Henry Ford und seine Mitarbeiter | Model T und bewegte Montagelinie ab 1913 |
Deshalb ist die übliche Kurzantwort Carl Benz richtig, wenn nach dem modernen Automobil mit Verbrennungsmotor gefragt wird.
Historisch vollständig wird die Antwort aber erst, wenn man die Vorläufer und parallelen Entwicklungen berücksichtigt.
Häufige Fragen
Wer gilt als Erfinder des Autos?
Carl Benz gilt als Erfinder des modernen Automobils mit Verbrennungsmotor. Seinen dreirädrigen Patent-Motorwagen meldete er am 29. Januar 1886 zum Patent an.
Wann wurde das Auto erfunden?
Als Geburtsjahr des modernen Automobils gilt meist 1886. In diesem Jahr wurde Carl Benz‘ Patent für sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ angemeldet. Selbstfahrende Dampfwagen gab es allerdings schon deutlich früher.
Was war das erste Auto der Welt?
Der Benz Patent-Motorwagen wird vom Deutschen Patent- und Markenamt und vom Deutschen Museum als erstes funktionsfähiges beziehungsweise praxistaugliches Automobil mit Verbrennungsmotor eingeordnet.
Warum gilt nicht Gottlieb Daimler als alleiniger Erfinder?
Daimler und Wilhelm Maybach leisteten parallel wichtige Pionierarbeit und bauten 1886 eine vierrädrige Motorkutsche. Carl Benz hatte sein Fahrzeug jedoch von Grund auf als Einheit aus Motor und Fahrgestell konstruiert und dafür das berühmte Patent erhalten.
Hat Henry Ford das Auto erfunden?
Nein. Ford wurde vor allem durch das Model T und die Weiterentwicklung der industriellen Massenproduktion bekannt. Autos mit Verbrennungsmotor gab es bereits mehr als zwei Jahrzehnte vorher.
Wie schnell war der Benz Patent-Motorwagen?
Nach Angaben des Deutschen Museums lag die tatsächliche Höchstgeschwindigkeit ungefähr bei 12 km/h. Theoretisch waren etwa 16 km/h möglich.
Warum war Bertha Benz wichtig?
Ihre Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim im Jahr 1888 zeigte, dass der Motorwagen auch für längere Strecken praktisch eingesetzt werden konnte. Damit trug sie wesentlich zur öffentlichen Akzeptanz des Automobils bei.
Die Antwort auf den Punkt gebracht
Wenn gefragt wird, wer das Auto erfunden hat, lautet die beste kurze Antwort: Carl Benz.
Sein 1885 entwickelter und 1886 patentierter Motorwagen gilt als erstes funktionsfähiges Automobil mit Verbrennungsmotor. Er war als vollständiges Motorfahrzeug konstruiert und nicht nur eine umgebaute Kutsche.
Die Geschichte des Autos begann jedoch früher und wurde gleichzeitig von mehreren Menschen geprägt. Dampfwagen existierten bereits vor Benz, Daimler und Maybach entwickelten parallel Motorfahrzeuge, Bertha Benz bewies die praktische Nutzbarkeit und Henry Ford machte das Auto später zum Massenprodukt.
Das moderne Auto ist deshalb sowohl eine konkrete Erfindung als auch das Ergebnis einer langen technischen Entwicklung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsches Patent- und Markenamt: Carl und Bertha Benz, Patent DE 37435 und die erste automobile Fernfahrt
- Deutsches Museum: Benz-Patent-Motorwagen und technische Daten
- UNESCO Memory of the World: Patent DRP 37435 „Vehicle with gas engine operation“
- Mercedes-Benz Group Unternehmensarchiv: Benz, Daimler, Maybach und die Anfänge des Automobils
- The Henry Ford: Henry Ford, Model T und Entwicklung der bewegten Montagelinie
- Library of Congress: Einführung der bewegten Montagelinie bei Ford 1913






